Hohe Hitzebelastung: Jede fünfte Gesundheitseinrichtung betroffen
Eine neue österreichweite Analyse der Gesundheit Österreich zeigt erstmals, wie stark Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Primärversorgungseinheiten von Hitze betroffen sind.
Zwischen 1961 und 1990 war keine einzige Gesundheitseinrichtung 20 oder mehr Hitzetagen pro Jahr ausgesetzt. Im Hitzesommer 2026 waren bereits 93 Prozent der untersuchten Einrichtungen von mindestens 20 Hitzetagen betroffen. (Stand: August 2026)
Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Primärversorgungseinheiten sind zunehmend hohen Temperaturen ausgesetzt. Eine neue Analyse der Gesundheit Österreich zeigt erstmals österreichweit, wie stark unterschiedliche Gesundheitseinrichtungen von Hitze betroffen sind. Insgesamt wurden 1.239 Standorte untersucht – 251 Krankenanstalten, 856 Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie 132 Standorte von Primärversorgungseinheiten.
Hitzebelastung in Gesundheitseinrichtungen nimmt deutlich zu
Die Entwicklung über die vergangenen Jahrzehnte ist deutlich: Im Zeitraum 1961 bis 1990 war noch keine Gesundheitseinrichtung 20 oder mehr Hitzetagen pro Jahr ausgesetzt. Im Zeitraum 1991 bis 2020 traf diese hohe Hitzebelastung bereits 20 Prozent aller untersuchten Einrichtungen.
Besonders hoch war der Anteil bei Primärversorgungseinheiten: 36 Prozent lagen im langjährigen Mittel an Standorten mit mindestens 20 Hitzetagen pro Jahr. Bei Krankenanstalten waren es 22 Prozent, bei Senioren- und Pflegeeinrichtungen 17 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass viele Primärversorgungseinheiten in Städten liegen, wo der urbane Hitzeinsel-Effekt die Belastung zusätzlich verstärken kann.
Sommer 2026: 93 Prozent mit mindestens 20 Hitzetagen
Wie außergewöhnlich heiß der Sommer 2026 war, zeigen die aktuellen Daten besonders deutlich: Bis einschließlich 26. August waren 1.153 der 1.239 untersuchten Gesundheitseinrichtungen – 93 Prozent – mindestens 20 Hitzetagen ausgesetzt. Bei rund drei Viertel aller Einrichtungen wurden bereits mindestens 30 Hitzetage verzeichnet, bei etwa der Hälfte sogar über 40.
Doppelbelastung: Hitze belastet Versorgung und Betrieb von Gesundheitseinrichtungen
Gesundheitseinrichtungen haben bei Hitze eine besondere Rolle: Sie betreuen viele Menschen, die gesundheitlich besonders empfindlich auf hohe Temperaturen reagieren, und müssen gleichzeitig als kritische Infrastruktur auch während Hitzewellen zuverlässig funktionieren.
Hitze kann zu einem höheren Patient:innenaufkommen führen und gleichzeitig den Betrieb selbst belasten – etwa bei der Lagerung von Medikamenten und Medizinprodukten, bei medizinischen Geräten und IT-Systemen oder durch hohe Temperaturen in Arbeits- und Patient:innenräumen. Auch bei Beschäftigten können Konzentration und Leistungsfähigkeit abnehmen.
Wie sich diese doppelte Belastung auf Versorgung und Betrieb auswirkt, fasst Felix Durstmüller, Autor der Gesundheit-Österreich-Analyse, zusammen: „Hitze stellt das Gesundheitssystem vor eine doppelte Herausforderung: Gerade dann, wenn ein erhöhter gesundheitlicher Unterstützungsbedarf in der Bevölkerung besteht, sind auch Gesundheitseinrichtungen selbst von hohen Temperaturen betroffen.
Unsere Analysen zeigen, dass Hitze für Gesundheitseinrichtungen kein Zukunftsszenario mehr ist, sondern bereits heute den Alltag von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Primärversorgungseinheiten prägt. Um eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung auch während längerer Hitzeperioden gewährleisten zu können, müssen Gesundheitseinrichtungen gezielt an die zunehmende Hitzebelastung angepasst werden.“
ORF: Gesundheitsministerin Schumann und Expertin Brugger ordnen ein
Auch ORF.at berichtet über die zunehmenden gesundheitlichen Folgen der Hitze und greift dabei die Gesundheit Österreich-Analyse auf. Gesundheitsministerin Korinna Schumann betont dabei, dass bei Hitze nicht nur die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung, sondern auch die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem stärker berücksichtigt werden müssen.
Entscheidend sei, genauer zu erkennen, „wo die Problemstellen liegen, welche Einrichtungen betroffen sind und wo wir gezielt ansetzen müssen“. Die Daten der Gesundheit Österreich schaffen dafür, so Schumann, „erstmals eine österreichweite Grundlage“. Im Fokus stehen dabei vor allem Gesundheitseinrichtungen, die besonders vulnerable Menschen betreuen und versorgen.
Im ORF Wien heute erläutert Gesundheit Österreich-Expertin Katharina Brugger die Ergebnisse aus Sicht der Gesundheitseinrichtungen. Sie verweist darauf, dass ein großer Teil der Gesundheitseinrichtungen, vor allem Krankenhäuser und Pflegeheime, auf solche extremen Temperaturen nicht ausgelegt ist.
Zugleich betont sie, dass verschiedene Kennwerte zeigen, wie stark sich Hitze gesundheitlich auf die Bevölkerung auswirkt. Für Wien komme hinzu, dass die Stadt aufgrund ihrer geografischen Lage besonders von Hitze betroffen ist und sich dort gleichzeitig viele Gesundheitseinrichtungen befinden.
Hitzeschutz in Gesundheitseinrichtungen frühzeitig einplanen
Die Analyse liefert eine Grundlage dafür, besonders exponierte Einrichtungen zu identifizieren und Anpassungsmaßnahmen gezielt zu planen. Dazu gehören etwa Beschattung und Begrünung, geeignete Kühllösungen sowie die klimaangepasste Planung von Neubauten und die Adaptierung bestehender Gebäude und ihrer Umgebung.
So wurde die Hitzebelastung der Gesundheitseinrichtungen analysiert
Für die Analyse wurden die Standorte von 1.239 Gesundheitseinrichtungen mit Daten zur Zahl der Hitzetage – Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 °C – verknüpft. Die Angaben für die Zeiträume 1961–1990 und 1991–2020 beziehen sich auf die durchschnittliche jährliche Zahl der Hitzetage in der jeweiligen 30-jährigen Klimaperiode. Die Werte für 2026 zeigen die tatsächlich bis einschließlich 26. August 2026 aufgetretenen Hitzetage.
Zum Factsheet:
Medienberichte:
- ORF.at: Im Juni und Juli so viele Hitzetote wie nie https://orf.at/stories/3440660/
- ORF Wien heute: Beitrag vom 30.08.2026, 19:00 Uhr https://on.orf.at/video/14337427/16146459/hitzesommer-deutlich-mehr-tote
Artikel zum Thema Hitze:
- Hitzeschutz in Gesundheitseinrichtungen: Wie Österreich sein Gesundheitswesen klimafit macht
- Hitze, Alter und Pflege: Herausforderungen und Lösungen
- Fachkonferenz: KI und Klimaschutz im Gesundheitswesen
- Nationaler Hitzeschutzplan BMASGPK: Der nationale Hitzeschutzplan wurde im Auftrag des Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz von der Gesundheit Österreich in Zusammenarbeit mit der GeoSphere Austria, der AGES und den Bundesländern erstellt.
Hitzetelefon 0800 880 800






