Hitze, Alter und Pflege: Herausforderungen und Lösungen
Hitze zählt zu den größten gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und betrifft immer mehr Menschen in Österreich. Besonders ältere Menschen sowie pflegende Angehörige sind von extremer Hitze betroffen. Im Rahmen des Hintergrundgesprächs „Klimagesundes Altern“ Ende Juni im Haus der Barmherzigkeit in Wien mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Gesundheitswesen hat Andrea E. Schmidt von der Gesundheit Österreich aufgezeigt, warum Hitzeschutz weit über kurzfristige Maßnahmen hinausgehen muss.
Extreme Hitzeperioden nehmen durch den Klimawandel zu. Gleichzeitig wird die österreichische Bevölkerung immer älter. Diese Entwicklung erhöht die gesundheitlichen Risiken erheblich: Mit zunehmendem Alter verändern sich die Thermoregulation und der Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Chronische Erkrankungen, eingeschränkte Mobilität, Demenz oder soziale Isolation können die Belastung zusätzlich verstärken.
Beim Hintergrundgespräch „Klimagesundes Altern“ Ende Juni 2026 im Haus der Barmherzigkeit in Wien erläuterten Priv.-Doz. Dr. Thomas E. Dorner, MPH (Haus der Barmherzigkeit/MedUni Wien), Univ.-Prof. Dr. Willi Haas (Universität für Bodenkultur Wien und MedUni Wien) sowie Andrea E. Schmidt, Gesundheitsökonomin und Leiterin der Abteilung Klimaresilienz und One Health am Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit an der Gesundheit Österreich GmbH, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Auswirkungen zunehmender Hitze.
Hitze trifft ältere Menschen besonders stark
Während Thomas E. Dorner insbesondere die gesundheitlichen Auswirkungen extremer Hitze auf ältere Menschen sowie die Bedeutung regelmäßiger, an hohe Temperaturen angepasster Bewegung hervorhob, betonte Willi Haas, dass Klimaschutz und Gesundheitsförderung künftig wesentlich stärker zusammengedacht werden müssen. Beide verwiesen darauf, dass hitzeresiliente Städte, barrierefreie Mobilität, Grünräume und klimafitte Gebäude zentrale Voraussetzungen für gesundes Altern sind.
Pflegende Angehörige tragen die Hauptlast – auch bei Hitze

Neben älteren und chronisch kranken Menschen geraten auch pflegende Angehörige zunehmend unter Druck.
„Pflegende Angehörige sind durch den Klimawandel besonders gefordert. Sie leisten rund 80 Prozent der unbezahlten Pflege- und Betreuungsarbeit für Angehörige, Nachbarinnen und Nachbarn und Freundinnen und Freunde in Österreich und sind häufig von sozialer Isolation und psychischen Belastungen betroffen“, erklärte Schmidt.
Mit steigenden Temperaturen verschärfen sich bestehende Belastungen zusätzlich. Gleichzeitig wird die Unterstützung durch pflegende Angehörige künftig noch wichtiger, da immer weniger Angehörige pro pflegebedürftiger Person zur Verfügung stehen.
Gesundheitsförderung und Klimaanpassung gemeinsam denken
Für Andrea E. Schmidt liegt ein wichtiger Schlüssel darin, Gesundheitsförderung und ökologische Nachhaltigkeit stärker miteinander zu verbinden.
„Das Zusammendenken von Gesundheitsförderung und ökologischen Aspekten bietet zahlreiche Potenziale: Wie können Wege im Alltag für pflegende Angehörige verkürzt werden? Wie kann aktive Mobilität trotz Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige gelingen?“, so Schmidt.
Maßnahmen wie kurze Wege zu Versorgungsangeboten, gut erreichbare Nahversorgung, barrierefreie Mobilität oder begrünte Aufenthaltsräume könnten sowohl die Gesundheit als auch die Lebensqualität verbessern und gleichzeitig zur Klimaanpassung beitragen.
Caring Communities stärken die Resilienz
Im Forschungsprojekt „Sozio-technische Lösung für ein gesundes und klimakompetentes Leben pflegender Angehöriger in Caring Communities“ untersucht die GÖG gemeinsam mit Projektpartner:innen, wie pflegende Angehörige besser unterstützt werden können.
Neben technischen und strukturellen Lösungen hob Schmidt insbesondere die Bedeutung funktionierender Nachbarschaften hervor: „Wenn Nachbarschaften und Gemeinden füreinander Sorge tragen, profitieren nicht nur pflegebedürftige Menschen, sondern auch pflegende Angehörige“, betont Schmidt.
Gerade während Hitzeperioden sei entscheidend, gefährdete Menschen frühzeitig zu erkennen und Unterstützung im unmittelbaren Wohnumfeld zu organisieren.
Hitzeschutz braucht langfristige Strategien
Die beim Hintergrundgespräch vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen deutlich: Kurzfristige Maßnahmen während einer Hitzewelle bleiben wichtig, reichen jedoch allein nicht mehr aus. Die Expertinnen und Experten plädierten dafür, Gesundheitsförderung, Klimaschutz, Klimaanpassung und Pflege künftig stärker gemeinsam zu planen.
Dazu gehören unter anderem:
- hitzeresiliente Städte und Gemeinden mit ausreichend Grün- und Schattenflächen,
- barrierefreie und sichere Mobilität auch für ältere Menschen,
- klimafitte Gebäude und Wohnräume,
- die Förderung regelmäßiger Bewegung in angepasster Form,
- sowie bessere Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige und die Langzeitpflege.
Weiterführende Informationen
Nationaler Hitzeschutzplan Österreich
Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit - Klimaresilienz und One Health
Informationen zu Hitze und Gesundheit auf gesundheit.gv.at
Medienberichte zum Hintergrundgespräch
- Ö1 Abendjournal / Hitze und Pflege: Forscher sehen Politik gefordert (30.6.26)
- Radio Wien Nachrichten / Hitze und ältere Menschen und Gesundheit (30.6.26)
- Die Presse / „Klimagesundes Altern“: Warum Experten trotz Hitze zu Bewegung raten (30.6.26)
- Kurier / Hitze trifft Ältere doppelt: Experten fordern Umdenken (30.6.26)
- Kronen Zeitung / 40 Grad heiß: „Alle Menschen kommen an Grenze ihrer Kapazitäten“ (30.6.26)


