Direkt zum Inhalt

Patient:innen-, Selbsthilfe- und Bevölkerungsbeteiligung an der Gesundheit Österreich

Maßnahmen in Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitsversorgung sollen von der Bevölkerung gut angenommen werden und ihren Bedarfen entsprechen. Die Beteiligung der Bevölkerung an Meinungsbildungs- und Gestaltungsprozessen im Gesundheitswesen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Beteiligung heißt, dass Patient:innen und die Bevölkerung bei Projekten mitreden, beraten oder auch entscheiden können. Das Ausmaß von Beteiligung kann unterschiedlich sein. Mehr zum Verständnis der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) von Beteiligung siehe Abschnitt „Was ist Beteiligung?“

In Österreich findet Beteiligung im Gesundheitswesen nur vereinzelt bzw. punktuell statt. Zum Beispiel waren Selbsthilfeorganisationen bei der Erstellung des Nationalen Krebsrahmenprogrammes beteiligt. Manche Gesundheitseinrichtungen haben Patienten-Beiräte oder Klienten-Beiräte. Dort können betroffene Menschen mitreden und Bedarfe und Angebote mitgestalten.

Die Gesundheit Österreich arbeitet daran, das Gesundheitssystem in Österreich laufend zu verbessern. Dafür ist es wichtig zu wissen, wie es Menschen geht, was diese wirklich brauchen und wie gesundheitliche Angebote im Alltag wirken. Beteiligung hilft dabei, dieses Wissen direkt von den betroffenen Personen(gruppen) zu bekommen.

Wenn Bürgerinnen und Bürger, Patientinnen und Patienten sowie Fachkräfte ihre Erfahrungen und Sichtweisen einbringen können, entstehen bedarfsorientierte und praxisnahe Lösungen. Entscheidungen werden für Beteiligte nachvollziehbarer, gerechter und wirken nachhaltiger. Beteiligung stärkt außerdem das Vertrauen in öffentliche Maßnahmen und Institutionen.

Die Gesundheit Österreich bekennt sich zu Beteiligung und der WHO-Resolution zu Social Participation (2024) um (mehr dazu im Abschnitt internationale Entwicklungen). Bereits seit 2023 hat die GÖG eine Task‑Force (speziell eingesetzte Arbeitsgruppe) etabliert. Sie begleitet die verschiedenen Projekt-Aktivitäten innerhalb der GÖG. Die GÖG nimmt Patient:innen-, Selbsthilfe- und Bevölkerungsbeteiligung ernst und strebt an, eine Vorbildfunktion für den Gesundheitsbereich einzunehmen. Erfahren Sie mehr zur Umsetzung von Beteiligung im entsprechenden Unterabschnitt.

Bei allgemeinen Beteiligungsfragen wenden Sie sich bitte an beteiligen@goeg.at

Text

Überblick:

Text

Beteiligung hat viele Facetten und Definitionen. Im Zentrum steht die Möglichkeit der Einflussnahme – von Information bis Entscheidung – auf Entwicklungs- oder Gestaltungsprozess im Gesundheitsförderung, -prävention und -versorgung. Die Gesundheit Österreich zieht für sich für sich folgende Arbeitsdefinition heran [orientiert an Forster (2015) und Straßburger und Rieger (2019)]:

Kollektive Bevölkerungs-, Patienten- und Selbsthilfebeteiligung in Forschung, Politik, Verwaltung oder Umsetzungspraxis im Kontext Gesundheit bedeutet, 

  • dass die Bevölkerung bzw. ausgewählte Bevölkerungsgruppen als Erfahrungsexpertinnen und -experten für ihre Situation bzw. ihren Kontext und potenzielle Nutzer:innen von Versorgungsleistungen, Gesundheitsförderungs- und Präventionsangeboten
  • in einem kollektiven Entwicklungs- oder Gestaltungsprozess in einer oder mehreren Phasen die Entscheidungsbasis
  • durch Einbringen von Inhalten (Themen, Meinungen, Bedarf) und durch Möglichkeiten der Einflussnahme (z. B. Beratung, Entscheidung) auf den Entscheidungsprozess erweitern

In Abhängigkeit davon, welche Perspektive beteiligt wird spricht man von Patient:innen-, Selbsthilfe- oder Bevölkerungsbeteiligung.

Erfahrungen zeigen: Es gibt keine Beteiligungsmethode, die immer und überall funktioniert, Methoden richten sich u.a. nach den Zielen und dem Prozess des Beteiligungsvorhabens, dem Kontext, den involvierten Personengruppen sowie den Ressourcen. Die GÖG setzt unterschiedliche bewährte und innovative Beteiligungsmethoden und -formate ein. ein und neue Beteiligungsformate getestet. 

Text

Beteiligung ermöglicht es direkt betroffenen Menschen (=Nutzer:innen), ihre Perspektiven, Erfahrungen und Bedarfe in Entscheidungen, z.B. im Gesundheitsbereich, einzubringen. Die Perspektive der Bevölkerung bzw. einzelner Bevölkerungsgruppen in kollektiven Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen trägt dazu bei, dass Entscheidungen und Maßnahmen bedarfsgerecht und nutzer:innenorientiert gestaltet und daher möglichst wirksam sind.

Beteiligung fördert Transparenz und unterstützt gesundheitliche Chancengerechtigkeit. Sie kann damit auch zur Stärkung des Vertrauens in die beteiligende Institution beitragen.

Text

Wir nehmen Partizipation einschließlich ihrer Potenziale, Herausforderungen bei der Umverteilung von Macht und Risiken ernst und haben dazu eine Strategie zur Bevölkerungs-, Patient:innen- und Selbsthilfebeteiligung für uns entwickelt.

 Mehrere Abteilungen der Gesundheit Österreich sind mit der Umsetzung, Unterstützung und Stärkung von Patient:innen-, Selbsthilfe- und Bevölkerungsbeteiligung befasst. Für ein koordiniertes Vorgehen sorgt die Taskforce Partizipation.

Text

Alle Menschen sind mögliche Patientinnen und Patienten. Mit dem Österreichischen Patient:innenbeirat hat die GÖG ein Gremium (eine ständige Arbeitsgruppe), um mit einer festgelegten (geschlossenen) Gruppe von interessierten Patientinnen und Patienten Projekte zu beraten und weiterzuentwickeln.

Österreichischer Patient:innenbeirat

Text

Selbsthilfeorganisationen stellen eine zentrale Form organisierter Patientinnen und Patienten dar. Mit ‚organisierten Patient:innen‘ sind Gruppen oder Verbände gemeint, in denen sich Patient:innen – oder auch deren Angehörige - zusammenschließen, um gemeinsame Anliegen zu vertreten.

Die Österreichische Kompetenz- und Servicestelle Selbsthilfe wurde 2017 an der GÖG gegründet, finanziert von Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) und Dachverband der Sozialversicherungen unter anderem mit dem Ziel, Selbsthilfebeteiligung zu stärken. Hierzu wird Wissen aufbereitet, Schulungskonzepte entwickelt und umgesetzt sowie Hilfestellungen für die Umsetzung von Beteiligung für die Gruppen und Verbände, aber auch für Stakeholder und Entscheidungsträger:innen entwickelt.

ÖKUSS - Österreichische Kompetenz- und Servicestelle Selbsthilfe 

Text

Menschen in Österreich sind unterschiedlich stark in Vereinen organisiert. Die digitale Beteiligungsplattform beteiligen-gesundheit.at bietet allen Menschen in Österreich, die Möglichkeit, sich über aktuelle Beteiligungsprojekte zu informieren und sich an Projekten zu beteiligen. Dort wird zu Online-Beteiligungsformaten und persönlichen Treffen eingeladen.

Im GÖG‑Beirat für Bevölkerungsbeteiligung kommen regelmäßig Vertreter:innen organisierter Bevölkerungsgruppen und Patient:innenvertretungen zusammen. Gemeinsam arbeiten sie daran, Beteiligung innerhalb der GÖG und im Gesundheitswesen weiterzuentwickeln.

Digitale Beteiligungsplattform

GÖG Beirat für Bevölkerungsbeteiligung

Text

Internationale Organisationen wie die OECD und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonen zunehmend, wie wichtig es ist, Menschen aktiv an Entscheidungen zu beteiligen. Im Jahr 2024 hat die WHO eine Resolution zur „social participation“ beschlossen. Darin werden alle Mitgliedstaaten – auch Österreich – aufgefordert, Beteiligung langfristig, verbindlich und gut organisiert umzusetzen.

Um die Länder dabei zu unterstützen, richtet die WHO sogenannte Kooperationszentren ein. Diese sollen Wissen bündeln, gute Beispiele sichtbar machen und die Umsetzung in der Praxis fördern. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) ist designiert als WHO Kooperationszentrum Social Participation for health and care .

Die GÖG ist zudem Gründungsmitglied einer Arbeitsgruppe zu „social participation“ innerhalb von EuroHealtNet – European partnership for health, equity and wellbeing, einer Plattform zum Austausch europäischer Public Health Institute.

Text

Internationale Rahmenwerke liefern eine Orientierung für die Umsetzung von Beteiligung im Gesundheitswesen in Österreich. Für Österreich wurden zudem einige Gutachten zur Stärkung von Patient:innen- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitswesen erstellt. Erfahren Sie hier mehr: 

Internationale und nationale Strategiedokumente

Text

Bei allgemeinen Beteiligungsfragen wenden Sie sich bitte an beteiligen@goeg.at