9. FrauenGesundheitsDialog: Who cares – when it’s women?!
Unter dem Titel „Who cares – when it's women?!“ stand beim 9. FrauenGesundheitsDialog am 8. Juni 2026 die gerechte Gesundheitsversorgung von Mädchen und Frauen im österreichischen Gesundheitssystem im Mittelpunkt. Rund 150 Teilnehmer:innen aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Politik, Bildung und Praxis kamen in der Wiener Urania zusammen, um aktuelle Herausforderungen der Frauengesundheit zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und Impulse für eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung zu setzen.
Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann eröffnete die Veranstaltung und kündigte den Start einer neuen österreichischen Frauengesundheitsstrategie an. Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner richtete sich mit einer Videobotschaft an die Teilnehmenden. Zum Abschluss des Dialogs fasste Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig zentrale Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen des Tages zusammen.
Neue Frauengesundheitsstrategie angekündigt
Mit der angekündigten Frauengesundheitsstrategie soll ein zukunftsweisender Rahmen für eine moderne, geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung geschaffen werden. Ziel ist es, die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnisse von Frauen in allen Lebensphasen stärker zu berücksichtigen und Frauengesundheit als Querschnittsthema in Gesundheitsversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention, Forschung sowie Politik zu verankern.
Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurde beauftragt, die Entwicklung der neuen Strategie fachlich zu begleiten. Die Strategie soll dazu beitragen, bestehende Versorgungslücken zu schließen und die gesundheitliche Chancengerechtigkeit von Mädchen und Frauen nachhaltig zu stärken.
Herausforderungen und Lösungsansätze
In den Fachvorträgen wurden aktuelle Erkenntnisse zu Versorgungsgerechtigkeit, geschlechtersensibler Gesundheitsversorgung und strukturellen Ungleichheiten im Gesundheitssystem vorgestellt.

Lea Putz-Erath präsentierte Erfahrungen aus dem Pilotprojekt INVVO und zeigte auf, wie kostenfreie Verhütung sowie psychosoziale Verhütungsberatung die Gesundheit von Frauen stärken und den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung verbessern können. Das Projekt verdeutlicht, wie niederschwellige Angebote dazu beitragen können, gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern.
Unter dem Titel „Mind the Gap!“ beleuchtete Lucia Mair aktuelle Diskussionen rund um Geschlecht und gesundheitliche Ungleichheiten. Dabei thematisierte sie unter anderem das Phänomen des sogenannten Medical Gaslighting, bei dem Beschwerden von Patientinnen nicht ausreichend ernst genommen oder fehlinterpretiert werden. Solche strukturellen Benachteiligungen können die Gesundheitsversorgung von Frauen erheblich beeinträchtigen.
Lorena Dini stellte Ansätze einer gender-responsiven Primärversorgung vor und berichtete über Shared-Care-Modelle für Frauen ab 50 Jahren. Ihre Ausführungen machten deutlich, wie geschlechtersensible Versorgungsmodelle dazu beitragen können, die Gesundheitsbedürfnisse von Frauen besser zu berücksichtigen und Versorgungslücken zu reduzieren.
Unterschiedliche Formate zum Austausch
Einen besonderen Impuls setzte das Gymnasium Draschestraße. Eine Schülerin und eine Lehrerin schilderten, welchen Beitrag Schulen und Bildungseinrichtungen zur Förderung von Mädchen- und Frauengesundheit leisten können. Ihr Beitrag verdeutlichte die Bedeutung von Gesundheitskompetenz, Aufklärung und frühzeitiger Sensibilisierung für gesundheitsrelevante Themen im schulischen Alltag.
Neben den Fachvorträgen bot der FrauenGesundheitsDialog zahlreiche Möglichkeiten für fachlichen Austausch, Vernetzung und Dialog. In der Paneldiskussion „Women’s Health Matters: So, Who Cares?“ diskutierten Expert aus unterschiedlichen Bereichen über Verantwortung, Herausforderungen und notwendige Rahmenbedingungen für eine gerechte Gesundheitsversorgung von Mädchen und Frauen.
Im anschließenden Dialogformat „Mädchen- und Frauengesundheit im Dialog“ wurden zentrale Erkenntnisse des Vormittags gemeinsam reflektiert und Perspektiven für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung diskutiert. Dabei standen insbesondere Fragen der Versorgungsgerechtigkeit, der Gesundheitskompetenz und der nachhaltigen Verankerung von Frauengesundheit im Gesundheitssystem im Mittelpunkt.
Praxisperspektiven für Frauengesundheitsstrategie
Ein zentrales Anliegen des FrauenGesundheitsDialogs war es, Erfahrungen und Perspektiven aus Praxis, Wissenschaft und Community in die Entwicklung der neuen Frauengesundheitsstrategie einzubeziehen. In Themenforen und Workshops wurden konkrete Fragestellungen vertieft diskutiert und Empfehlungen für zukünftige Maßnahmen erarbeitet.
Im Themenforum „Informiert. Begleitet. Gestärkt“ standen Erfahrungen aus dem Vorarlberger Pilotprojekt INVVO, psychosoziale Verhütungsberatung sowie Fragen einer bedarfsgerechten gynäkologischen Versorgung im Fokus. Diskutiert wurde insbesondere, wie Frauen in unterschiedlichen Lebenslagen besser erreicht und begleitet werden können.
Das Themenforum „Frauengesundheit in der Primärversorgung“ widmete sich der Frage, wie Mädchen- und Frauengesundheit entlang des gesamten Lebensverlaufs stärker in der Primärversorgung verankert werden kann. Praxisbeispiele aus Allgemeinmedizin und Diätologie zeigten Potenziale für eine bessere Vernetzung und Versorgung auf. Themen wie Autoimmunerkrankungen und Essstörungen machten deutlich, wie wichtig geschlechtersensible Zugänge in der Gesundheitsversorgung sind.
Im Workshop „Gesundheit in den Wechseljahren im Fokus“ tauschten sich die Teilnehmenden über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, gesellschaftliche Perspektiven und Informationsbedarfe rund um die Wechseljahre aus. Gemeinsam wurde diskutiert, wie evidenzbasierte und bedarfsorientierte Gesundheitsinformationen künftig besser bereitgestellt werden können.
Erkenntnisse fließen in Strategieentwicklung ein
Die zahlreichen Beiträge, Diskussionen und Erfahrungen aus den Workshops und Themenforen bilden eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der neuen Frauengesundheitsstrategie. Zu ersten Maßnahmen in ausgewählten Handlungsfeldern – etwa zu den Themen Wechseljahre und Endometriose – laufen bereits entsprechende Arbeiten.
Der FrauenGesundheitsDialog zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch zwischen Politik, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Bildung und Zivilgesellschaft für die Weiterentwicklung einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung ist.
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