Culture and Health Forum 2026: Kunst und Kultur als Ressource für Gesundheit
Welche Rolle spielen Kunst und Kultur für Gesundheit, psychisches Wohlbefinden und soziale Verbundenheit? Und wie können wissenschaftliche Erkenntnisse dazu stärker in Politik und Praxis einfließen? Beim Culture and Health Forum 2026 am 8. und 9. September in Wien diskutierten Expertinnen und Experten aus Gesundheit, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Politik aus ganz Europa diese Fragen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Einsamkeit und sozialer Verbundenheit.
Wenn Kultur zur Gesundheitsressource wird
Ein Museumsbesuch, gemeinsames Tanzen, Theater oder Musik: Dass kulturelle Aktivitäten mehr sein können als Freizeitgestaltung, rückt zunehmend in den Fokus von Forschung und Gesundheitspolitik. Beim Culture and Health Forum 2026 im Kulturhaus Brotfabrik diskutierten Expertinnen und Experten aus verschiedenen europäischen Ländern darüber, welchen Beitrag Kunst und Kultur zu Gesundheit, psychischem Wohlbefinden und gesellschaftlicher Teilhabe leisten können.
Wien als historischer Schauplatz von Culture and Health
Einen historischen Blick auf die Verbindung von Kultur, Wissenschaft und Gesundheit warf der britische Historiker und Autor Richard Cockett in seinem Vortrag Culture and Health in Vienna – where are we coming from?. Am Beispiel Wiens zeigte er, dass der Austausch zwischen diesen Bereichen keineswegs neu ist. In den Wiener Salons kamen bereits Wissenschaftler:innen, Ärzt:innen, Künstler:innen, Musiker:innen und Schriftsteller:innen zusammen und beeinflussten einander. Besonders hob Cockett hervor, dass Wissenschaft und Geisteswissenschaften lange weniger stark voneinander getrennt waren und der Austausch über Fachgrenzen hinweg ausdrücklich gefördert wurde.
„Zwischen Wissenschaft und Geisteswissenschaften gab es keine willkürlichen Grenzen." Richard Cockett.
Was die Forschung über Kunst und Gesundheit zeigt
Anschließend widmete sich Prof. Vicky Karkou, Direktorin des Research Centre for Arts and Wellbeing an der Edge Hill University, der Frage, was die aktuelle Forschung über die gesundheitlichen Wirkungen von Kunst aussagt. Dabei setzte sie sich auch mit verbreiteten Annahmen auseinander – etwa, dass es für die Wirkung von Kunst keine wissenschaftliche Evidenz brauche. Ihr Fazit: Gerade hochwertige Forschung sei entscheidend, damit Kunst und Kultur auch im Gesundheitsbereich ernst genommen und nachhaltig verankert werden.
„Hochwertige wissenschaftliche Evidenz ist entscheidend, damit der Beitrag von Kunst und Kultur im Gesundheitsbereich ernst genommen wird.“ Vicky Karkou
Von wissenschaftlicher Evidenz zur Gesundheitspolitik
Beim anschließenden Panel „From evidence to policy in culture and health“ diskutierten Vertreter:innen der Europäischen Kommission, WHO, UNESCO, des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) und der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) darüber, wie Erkenntnisse aus Forschung und Praxis ihren Weg in politische Strategien finden können. Für die GÖG nahm Geschäftsführer Herwig Ostermann an der Diskussion teil.
Gesundheitsförderung setzt nicht nur beim individuellen Verhalten an, sondern auch bei den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Menschen leben, sich begegnen und miteinander interagieren. In diesem breiteren Public-Health-Verständnis können auch Kunst und Kultur eine Rolle spielen. Mittlerweile liegt umfangreiche Evidenz dafür vor, dass kulturelle Aktivitäten Gesundheitsförderung und Prävention unterstützen und auch in therapeutischen Kontexten wirksam sein können.
Ressortübergreifend denken
Ein zentrales Thema des Panels war die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und erfolgreiche Projekte langfristig in Strukturen und politische Strategien übersetzt werden können. Dabei wurde deutlich, dass Gesundheit, Kultur und andere Politikbereiche stärker zusammengedacht werden müssen.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH:„Wenn unterschiedliche Politikbereiche zusammenkommen und sich für ein gemeinsames Ziel zusammenschließen, hat das immer das Potenzial, ihre Wirkung zu erhöhen.“
Ostermann brachte dabei auch den Ansatz Health for All Policies in die Diskussion ein. Dieser erweitert die Perspektive von Health in All Policies: Gefragt wird nicht nur, welchen Beitrag andere Politikbereiche zur Gesundheit leisten können, sondern auch, wie der Gesundheitsbereich seinerseits die Ziele anderer Politikfelder unterstützen kann. Gerade an der Schnittstelle von Gesundheit und Kultur eröffnet dieser Perspektivwechsel neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
Kunst und Gesundheit in der Praxis
Wie vielfältig diese Verbindung bereits gelebt wird, zeigte das Forum anhand konkreter Projekte aus zahlreichen europäischen Ländern. Workshops, künstlerische Beiträge und Projektpräsentationen beschäftigten sich unter anderem mit:
- Kunst und psychischer Gesundheit,
- Musik, Tanz und Bewegung,
- kultureller Teilhabe im Alter und in Pflegeeinrichtungen,
- Kunst in der Palliativversorgung,
- sozialer Verbundenheit und Community-Arbeit,
- Angeboten für junge Menschen sowie
- künstlerischen Ansätzen im Gesundheitswesen.
So wurde beispielsweise das österreichische Projekt YOUareARTvorgestellt, das klassische Porträtkunst mit moderner Selfie-Kultur verbindet und damit die psychische Gesundheit junger Menschen in den Blick nimmt. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit künstlerischer Arbeit in Pflegeheimen, Kunst am Lebensende, generationenübergreifender Verbindung oder Tanz als Form sozialer und körperlicher Aktivierung.
Einsamkeit und soziale Verbundenheit im Fokus
Der zweite Veranstaltungstag setzte einen besonderen Schwerpunkt auf Einsamkeit und soziale Verbundenheit. Flora Gall von der Caritas der Erzdiözese Wien präsentierte Erkenntnisse aus dem FORESIGHT Report Einsamkeit in Österreich. Anschließend diskutierten Expertinnen und Experten aus Gesundheit, Forschung, Kunst und Community-Arbeit darüber, welchen Beitrag Kunst und Kultur leisten können, um Begegnung zu ermöglichen, Beziehungen zu fördern und soziale Verbundenheit zu stärken.
Für die GÖG brachte Gerlinde Rohrauer-Näf vom Kompetenzzentrum Zukunft Gesundheitsförderung ihre Expertise in die Diskussion ein. Neben ihr nahmen Paulina Guachamin (FamiliaMed), die Künstlerin Catherine Ebser, Andrea Schmidt (LBG OIS) und Flora Gall (Caritas der Erzdiözese Wien) am Panel teil.
Das Thema ist auch über das Forum hinaus aktuell: Der Yellow September 2026, der vom 10. September bis 10. Oktober stattfindet und von der GÖG koordiniert wird, stellt heuer Einsamkeit unter dem Motto „Gemeinsam geht mehr!“ in den Mittelpunkt.
Europäische Zusammenarbeit für Culture and Health
Das Culture and Health Forum ist eine Veranstaltung der CultureAndHealth Platform, die Akteur:innen aus 15 europäischen Ländern zusammenbringt. Organisiert wurde das Forum von ARTS for HEALTH AUSTRIA (AfHA) gemeinsam mit Culture Action Europe, den Mitgliedern der CultureAndHealth Platform und dem Kulturhaus Brotfabrik.
Das Culture and Health Forum wurde vom Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) gefördert und von der CultureAndHealth Platform kofinanziert. Die europäische Plattform wird von der Europäischen Union finanziert; die österreichische Partnerorganisation AfHA wird zudem vom BMWKMS kofinanziert.
Auf einen Blick
- Culture and Health Forum 2026: 8.–9. September 2026 | Wien | europäischer Austausch
- Kunst und Kultur fördern Gesundheit: Sie können Gesundheitsförderung, Prävention und psychisches Wohlbefinden unterstützen.
- Kulturelle Teilhabe verbindet: Gemeinsame kulturelle Aktivitäten fördern Begegnung, Zugehörigkeit und soziale Verbundenheit.
- Von der Evidenz in die Praxis: Erkenntnisse aus Forschung und Praxis sollen stärker in politische Strategien einfließen.
- Sektorenübergreifend zusammenarbeiten: Gesundheit, Kultur, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft können gemeinsam mehr bewirken.
- Weiterführende Informationen:Culture and Health Forum 2026
