Pressekonferenz zu Schönheitsdruck durch Social Media: Wie YOUareART Jugendliche stärkt
Soziale Medien prägen den Alltag junger Menschen – und sie prägen auch ihr Körperbild. Neue Daten aus dem Panel Gesundheitsförderung zeigen: Fast jede zweite junge Person fühlt sich durch Beiträge in sozialen Medien unter Druck, den eigenen Körper verändern zu müssen.
Der Einfluss digitaler Inhalte auf die Gesundheit junger Menschen ist groß – und er ist messbar. Das Präventions- und Kunstvermittlungsprojekt YOUareART – Ungefiltert schön setzt genau hier an und zeigt, wie Jugendliche lernen können, mit diesen Einflüssen umzugehen.
Pressekonferenz in der Gemäldegalerie
Im Rahmen einer Pressekonferenz am 10. April 2026 in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien wurde das Projekt gemeinsam mit Projektpartner:innen vorgestellt. Die Pressekonferenz fand vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen rund um Social-Media-Regulierung und Altersbeschränkungen statt.
Am Podium standen:
- Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
- Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG)
- Hilde Wolf, Geschäftsführerin FEM Süd
- Sabine Folie, Direktorin der Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien
Neben fachlichen Inputs waren auch Jugendliche vor Ort, standen für Interviews zur Verfügung und ein Workshop wurde live durchgeführt.
Neue Daten: Social Media als Treiber von Schönheitsdruck
Die neuesten Ergebnisse des Panels Gesundheitsförderung der Gesundheit Österreich liefern dazu klare Befunde. Grundlage ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung der österreichischen Bevölkerung (Welle 9, Dezember 2025, n=1.029, davon 129 Personen zwischen 16 und 25 Jahren), die regelmäßig Daten zur psychosozialen Gesundheit und zu relevanten Einflussfaktoren erhebt.
• 45 % der 16- bis 25-Jährigen haben durch soziale Medien das Gefühl, ihren Körper verändern zu müssen
• 30 % finden sich mit Filter schöner – bei jungen Frauen 45 %
Intensive Nutzung verstärkt den Druck deutlich:
• nur 48 % fühlen sich schön (vs. 63 % bei geringerer Nutzung)
• 31 % denken über Schönheitsoperationen nach (vs. 5 %)
Die Daten zeigen damit klar: Je intensiver soziale Medien genutzt werden, desto kritischer wird das eigene Körperbild wahrgenommen. Und ein negatives Körperbild verschlechtert das psychische Wohlbefinden. Der Einfluss ist kein Randphänomen, sondern ein struktureller Faktor für die psychische Gesundheit junger Menschen.
YOUareART: Kunst trifft Lebensrealität
YOUareART verbindet Gesundheitsförderung mit Kunstvermittlung – und schafft damit einen besonderen Zugang: Im Zentrum stehen Workshops in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien und in der Heidi Horten Collection. Jugendliche setzen sich dort gemeinsam mit Psycholog:innen und Kunstvermittler:innen mit historischen und aktuellen Schönheitsidealen auseinander – und bringen diese mit ihrer eigenen Lebensrealität in Verbindung.
Ein wesentliches Element der Workshops ist der Einsatz von Augmented Reality: Eine App überträgt gängige Beauty-Filter auf klassische Kunstwerke und macht so sichtbar, wie schnell Individualität in standardisierte Schönheit verwandelt werden kann. Die kreative Umsetzung sowie die begleitende Kampagne stammen von der Kreativagentur dasWeil.
Wird in den Workshops per App ein Beauty-Filter etwa über Rembrandts Bildnis einer jungen Frau von 1632 gelegt, wird der Effekt unmittelbar sichtbar: Die Eigenheiten des Porträts – Ausdruck, Haltung, Stimmung – verschwinden. Aus einer jungen Frau mit Charakter wird ein austauschbares Gesicht, das einem allgemeinen Schönheitsideal entspricht – und genau dadurch an Besonderheit verliert.
Solche Bildvergleiche bilden den Ausgangspunkt für Gespräche in den Workshops: Die meisten Jugendlichen wissen, dass gefilterte Bilder nicht „real“ sind und empfinden echte Menschen oft sogar als schöner. Dennoch erleben sie einen starken Druck, diesen Idealen zu entsprechen. Ziel ist es, die Medienkompetenz zu stärken und einen kritischen Umgang mit digitalen Schönheitsidealen zu entwickeln.
Diese Gegenüberstellung schafft einen neuen Blick: Schönheit war nie statisch – sie ist immer gesellschaftlich geprägt und im Wandel.
Wirkung, die messbar ist
Die bisherige Bilanz der Workshops zeigt die hohe Relevanz des Themas: Seit Sommer 2025 wurden in Wien insgesamt 69 Workshops mit 895 Jugendlichen durchgeführt – davon 490 Mädchen und 405 Burschen. Bis Ende Juni werden weitere 1.000 Jugendliche an Workshops in der Heidi Horten Collection und in der Gemäldegalerie teilnehmen. Das Projekt soll künftig auf weitere Museen in Österreich ausgeweitet werden.
In ersten Befragungen durch die Evaluation berichten Jugendliche, dass
• sie Schönheitsideale bewusster hinterfragen,
• den Einfluss von Social Media kritischer reflektieren
• und ein differenzierteres Verständnis von „echter“ und digital erzeugter Schönheit entwickeln.
Viele geben an, dass ihnen besonders die Gegenüberstellung von historischen Kunstwerken und digitalen Filtern in Erinnerung bleibt und sie zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Bildern und Selbstwahrnehmung angeregt hat.
Stimmen vom Podium

Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz:
"Gerade junge Menschen sind heute einem enormen Druck durch soziale Medien ausgesetzt. Unrealistische Schönheitsideale, die durch Filter und Bildbearbeitung entstehen, beeinflussen Selbstbild und Gesundheit. Es ist unsere Aufgabe, hier gegenzusteuern und junge Menschen zu schützen – durch Aufklärung, Prävention und klare Regeln im digitalen Raum. Projekte wie YOUareART leisten dazu einen wichtigen Beitrag, weil sie junge Menschen stärken und ihnen helfen, kritisch mit digitalen Bildern umzugehen.“

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG):
„Die neuen Daten zeigen sehr klar: Soziale Medien verstärken den Schönheitsdruck und die Unsicherheit bei jungen Menschen. Das Projekt YOUareART setzt genau hier an – es schafft Räume, in denen Jugendliche diese Bilder hinterfragen und einen selbstbestimmteren Umgang damit entwickeln können. Das ist aus Public-Health-Sicht ein zentraler Beitrag zur Stärkung der psychischen Gesundheit.“

Hilde Wolf, Geschäftsführerin FEM Süd:
„In den Workshops erleben wir, wie groß der Druck durch soziale Medien tatsächlich ist. Gleichzeitig sehen wir, wie entlastend es für Jugendliche ist, diesen Druck gemeinsam zu reflektieren. Der Austausch im geschützten Raum und die Verbindung von Kunst und Psychologie ermöglichen neue Perspektiven auf den eigenen Körper.“

Sabine Folie, Direktorin der Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien:
„Wenn wir ein Porträt von Rembrandt digital ‚verschönern‘, wird sofort sichtbar, was dabei ver-oren geht: Individualität, Ausdruck und Geschichte. Die scheinbare Perfektion der Filter ersetzt das Besondere durch etwas Austauschbares – genau das macht die Arbeit mit Originalen so eindrücklich.“
Projektpartner:innen und Förderung
Das Projekt YOUareART – Ungefiltert schön ist eine Kooperation von Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), FEM Süd und MEN, der Kreativagentur dasWeil, den Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien sowie der Heidi Horten Collection.
Die Initiative wird aus Mitteln der Agenda Gesundheitsförderung und des Fonds Gesundes Österreich finanziert.
Medienberichte
Ö3 Nachrichten, 10.4.2026, 12 Uhr
Ö1Mittagsjournal, 10.4.2026, 12 Uhr
Salzburger Nachrichten, 10.4.2026

Weiterführende Informationen
Factsheet: Körperbilder und psychosoziale Gesundheit junger Menschen (Gesundheit Österreich)


