Social Media und KI: Junge Menschen gestalten mit
Was hilft jungen Menschen, damit es ihnen mit Social Media und Künstlicher Intelligenz gut geht? Das möchte die Gesundheit Österreich gemeinsam mit ihnen herausfinden: 14- bis 25-Jährige können bis Ende Februar 2027 Vorschläge bewerten. Ihre Perspektiven sollen in neue Unterstützungsangebote einfließen.
Was junge Menschen im digitalen Alltag brauchen
Eigentlich nur kurz scrollen, und plötzlich ist der Abend vorbei. Ein gemeiner Kommentar lässt einen nicht los. Oder der Vergleich mit scheinbar perfekten Bildern setzt unter Druck. Zugleich ermöglichen Social Media Austausch mit Freund:innen, kreative Aktivitäten und das Gefühl, dazuzugehören.
Der Beteiligungsprozess der Gesundheit Österreich setzt bei diesen Erfahrungen an: Welche Unterstützung hilft jungen Menschen im Alltag? Was wünschen sie sich von Politik, Plattformen und KI-Anbietern, von Eltern und Schule? Und was möchten sie selbst verändern?
Jetzt mitreden und Vorschläge bewerten
Auf YouthVOICE können junge Menschen einschätzen, welche Maßnahmen ihnen wichtig sind. Dabei geht es beispielsweise um folgende Fragen:
- Sollten Plattformen Hasskommentare und verstörende Inhalte schneller sperren?
- Soll deutlich erkennbar sein, wenn Inhalte von KI erstellt wurden?
- Wie wichtig ist es, dass Schulen den Umgang mit Cybermobbing vermitteln?
- Sollten Eltern bei gemeinsamer Zeit mit ihren Kindern das Handy weglegen?
- Braucht es mehr attraktive Freizeitangebote ohne Handy?
So funktioniert’s: Du bist zwischen 14 und 25 Jahre alt? Dann bewerte die Vorschläge mit einem bis fünf Sternen: Ein Stern bedeutet „unwichtig“, fünf Sterne bedeuten „wichtig“. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Entscheidend ist, was du denkst. Die Teilnahme ist bis Ende Februar 2027 möglich.
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Jungen Menschen zuhören
Bei einer Pressekonferenz am 29. Oktober 2026 stellten Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, zwei Jugendliche und Gesundheit Österreich-Expertin Gerlinde Rohrauer-Näf die nächsten Schritte des Beteiligungsprozesses vor.
„Wir wollen wissen, was sie beschäftigt, wo sie Probleme sehen und was sie anders machen würden. Denn wir können nicht immer nur über junge Menschen reden. Wir müssen auch mit ihnen reden“, betonte Königsberger-Ludwig.
Online abstimmen und gemeinsam weiterarbeiten
Der Beteiligungsprozess läuft seit Juni 2026. Bei Jugendgesundheitskonferenzen hat die GÖG bereits 153 kurze Interviews geführt. Daraus wurden Vorschläge zusammengefasst und um weitere Maßnahmen aus europäischen Empfehlungen ergänzt. Mit der Online-Abstimmung beginnt nun die nächste Phase.
Die GÖG wertet die Antworten aus und diskutiert die Ergebnisse im ersten Halbjahr 2027 bei Jugendforen in Wien, Graz und Innsbruck mit jungen Menschen. Zusätzliche Gesprächsrunden beziehen gezielt Jugendliche mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten sowie queere Jugendliche ein.
Die Ergebnisse sollen am 24. Juni 2027 bei der Bundesjugendgesundheitskonferenz im Wiener MuseumsQuartier vorgestellt und an politische Entscheidungsträger übergeben werden.

„Ich finde, das größte Problem ist, dass wir unser digitales Leben manchmal so als Ersatz für unser eigenes Leben darstellen und es nicht wirklich als Tool benutzen. Es ist nicht die Nutzung von Social Media, sondern die Art und Weise, wie diese Plattformen aufgebaut sind. Es gibt einen sehr schmalen Grat zwischen Social Media benutzen und sich selbst davon ausnutzen lassen“, Leolinilla Buba Lolay.
Aus Erfahrungen sollen passende Angebote entstehen
Die Beiträge der Jugendlichen sollen helfen, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und neue Projekte gemeinsam mit jungen Menschen zu gestalten. Social Media und KI bilden dafür einen Schwerpunkt der Agenda Gesundheitsförderung 2027/28.
Geplant sind Trainings und leicht verständliche Informationen für Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte. Workshops zu Schönheitsidealen und Körperbildern sollen ausgeweitet werden. Dafür kann die GÖG auf Erfahrungen mit „Body Project Austria“ und „YOUareART“ aufbauen.
„Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen spielen eine wichtige Rolle dabei, Jugendliche im Umgang mit Social Media und KI zu begleiten. Gleichzeitig führt das Thema im Alltag oft zu Konflikten. Deshalb wollen wir im Dialog mit jungen Menschen herausfinden, welche Unterstützung sie brauchen. Daraus sollen kreative Angebote entstehen, die ihnen helfen, digitale Medien selbstbestimmt zu nutzen, Schönheitsideale kritisch zu hinterfragen und mit Vergleichsdruck umzugehen. Dabei setzen wir auf Ermutigung und Unterstützung statt auf den erhobenen Zeigefinger.“
Angebote sollen auch über die Initiative „ABC der psychosozialen Gesundheit“ verbreitet werden. Sie greift Erkenntnisse der Positiven Psychologie auf und richtet den Blick darauf, was Menschen stärkt: aktiv sein („Act“), soziale Beziehungen pflegen („Belong“) und sich für etwas engagieren, das einem wichtig ist („Commit“).
Forschung und Alltagserfahrungen zusammenbringen
Die wissenschaftliche Grundlage liefert unter anderem der GÖG-Bericht „Soziale Medien und psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, für den 145 Quellen ausgewertet wurden. Er zeigt: Für das Wohlbefinden ist neben der Nutzungsdauer auch entscheidend, welche Inhalte junge Menschen sehen, wie sie soziale Medien nutzen und welche Unterstützung sie haben.
Problematische Nutzung steht mit Belastungen wie depressiven Symptomen, Ängsten und Schlafproblemen in Zusammenhang. Gleichzeitig können soziale Medien Zugehörigkeit und gegenseitige Unterstützung ermöglichen. Der Beteiligungsprozess verbindet diese wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Erfahrungen und Bedürfnissen junger Menschen.
Auf einen Blick
- Online-Voting: für junge Menschen von 14 bis 25 Jahren
- Teilnahme: bis Ende Februar 2026
- Jugendforen und weitere Gesprächsrunden: im ersten Halbjahr 2027
- Vorstellung der Ergebnisse: am 24. Juni 2027
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Weitere Informationen:
Gesundheit Österreich - Bericht zu sozialen Medien und psychosozialer Gesundheit



