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Neuer Fahrplan gegen Krebs: Krebsrahmenprogramm 2026–2035

Krebs soll in Österreich früher erkannt werden – und wer betroffen ist, soll im System weniger verloren gehen. Das neue Krebsrahmenprogramm 2026–2035 setzt dafür auf qualitätsgesicherte Screenings, Lotsenfunktionen und multiprofessionelle Teams – von Prävention bis Nachsorge.

Das BMASGPK und die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) haben am Freitag bei einer Pressekonferenz erstmals das überarbeitete Nationale Krebsrahmenprogramm 2026–2035 vorgestellt. Der Plan soll die Richtung der Krebsbekämpfung vorgeben.
 

Mehr Betroffene: Demografie und bessere Überlebenschancen

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Broschüre zum Nationalem Krebsrahmenprogramm 2026-2035
© BMASGPK/David Habermann


Die Zahl der Krebsdiagnosen ist in Österreich in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen, wie auch Statistik Austria am Donnerstag bestätigte. Anfang 2025 waren demnach rund 409.000 Menschen in Österreich mit oder nach einer Krebsdiagnose betroffen. 

Erklärt wird diese Tendenz einerseits durch die Alterung der Bevölkerung, andererseits durch steigende Überlebenschancen. Mitte Jänner prognostizierte Statistik Austria zudem einen jährlichen Anstieg der Krebsneuerkrankungen auf mehr als 56.000 bis 2045.

Prävention und Früherkennung: „Wir müssen schauen, dass Krebs nicht entsteht“

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Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz bei der Präsentation des Krebsrahmenprogramms.
Korinna Schumann Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz / © BMASGPK/David Habermann


Antworten auf diese Entwicklungen gibt das überarbeitete Nationale Krebsrahmenprogramm 2026–2035. Bei der Präsentation hob Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) die Krebsprävention als zentralen Teil des Programms hervor: „Wir müssen schauen, dass Krebs nicht entsteht. Das ist eine Vorsorgefrage.“ Viele Erkrankungen seien vermeidbar – „durch Bewegung, gesunde Ernährung, Rauchstopp und durch informierte Entscheidungen“. 

Schumann ordnete das Programm zugleich als ressortübergreifenden Auftrag ein: Krebsbekämpfung sei nicht nur Aufgabe des Gesundheitssystems, sondern folge dem Prinzip „Health in All Policies“ – sie betreffe auch Bildung, Arbeitswelt, Forschung und die sozialen Rahmenbedingungen des Zusammenlebens. Neben Prävention betonte Schumann die Bedeutung der Früherkennung, etwa durch „die Weiterentwicklung organisierter Screening-Programme“.

Multiprofessionelle Teams und bessere Begleitung: „Cancer Nurses“ und Lotsenfunktionen

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 Karin Eglau, Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Leitung der Abteilung Koordina-tion Onkologie und Geschäftsbereichsleitung des Bundesinstituts für Qualität im Gesundheitswesen.
Dr.in med. univ. Karin Eglau, MPH, Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) - Leitung der Abteilung Koordination Onkologie und Geschäftsbereichsleiterin des Bundesinstituts für Qualität im Gesundheitswesen / © BMASGPK/David Habermann


Karin Eglau (Gesundheit Österreich, Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen) knüpfte daran mit dem Blick auf die Programmlogik an – von Prävention und Früherkennung bis zur Versorgung und Nachsorge. Beim Screening betonte sie, dass Früherkennung nur dann hilft, wenn Programme qualitätsgesichert sind: „Und was wir auch nicht wollen, ist, dass durch Screenings Leuten Schaden zugefügt wird.“ Daher müssten Screening-Programme vor dem Ausrollen „auf ihre Evidenz abgeklopft“ werden.

Für die Versorgung stellte Eglau den Ausbau multiprofessioneller Teams in Aussicht – unter anderem mit „Cancer Nurses“, diplomierten Pflegepersonen, „die sich speziell in der onkologischen Versorgung weiterentwickeln“. Auch Kommunikationstrainings für Onkologie-Fachleute sowie die Dokumentation von Patient:innendaten sollen weiter ausgebaut werden.

Ein weiterer Schwerpunkt sei die bessere Orientierung im System: Patient:innen fühlten sich ohne klare Ansprechstelle oft „verloren“. Drehscheiben- und Lotsenfunktionen sollen helfen, Versorgung verständlicher zu machen und Brüche zu vermeiden. Mit Blick auf Leben mit und nach Krebs unterstrich Eglau zudem die Bedeutung strukturierter Nachsorge – gerade, weil viele Betroffene langfristig Unterstützung brauchen.

Leben mit und nach Krebs: Nachsorge gewinnt an Bedeutung

Krebs sei heute oft eine gut behandelbare chronische Krankheit, ergänzte Eglau: „Und die Leute leben 20, 30 Jahre mit ihrer Krebserkrankung.“ Entsprechend wichtig sei eine strukturierte Nachversorgung. Als Beispiel wird die Pilotierung des Survivorship Passports für Kinder und Jugendliche nach einer Krebserkrankung genannt, die neue Wege der strukturierten Nachsorge eröffnen soll.

Versorgung als durchgehende Kette: klare Patient:innenpfade von Diagnose bis Reha

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Felix Keil (Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung – Hämatologie & Onkologie am Hanusch-Krankenhaus Wien)
Felix Keil (Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung – Hämatologie & Onkologie am Hanusch-Krankenhaus Wien) © BMASGPK/David Habermann


Der Wiener Internist Felix Keil knüpfte daran mit dem Blick aus der Versorgung an. Aus seiner Sicht braucht es vor allem klare Patient:innenpfade, damit Behandlungsschritte nachvollziehbar bleiben und Qualität messbar wird. Man brauche vor allem „ein Kontinuum für die Patienten, die wir betreuen“: Erkrankte sollen von der Diagnose bis zur Rehabilitation einen konkreten Fahrplan erhalten. Zwischen Krankenanstalten soll außerdem über wesentliche Behandlungsschritte ausführlich informiert werden.

Dieser Ansatz wird als konsequente Verankerung des Modells des „Krebskontinuums“ beschrieben – also als durchgehende Versorgungskette von Prävention bis Nachsorge. Keil: „Zentrale Instrumente dafür sind klar definierte Patientenpfade, mit denen Über-, Unter- und Fehlversorgung vermieden und Qualität messbar verbessert werden kann.“ Zudem ergänzte er den Präventionsschwerpunkt, moderne Therapien würden „mit Ernährung und Bewegung besser “. Das sei „ganz evident“. 

Entstehungsprozess: breite Expert:innenbeteiligung und internationales Peer Review

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Projektleiter Florian Trauner
Projektleiter Florian Trauner / © R. Ettl


Projektleiter Florian Trauner (Health Expert - Gesundheit Österreich, Abteilung Gesundheitsökonomie und -systemanalyse) betonte, durch den breit angelegten, partizipativen Prozess sei eine fundierte Grundlage geschaffen worden. Das Krebsrahmenrogramm zeige, „welche strategischen Weichen in den kommenden Jahren gestellt werden müssen“ – und solle möglichst viele Stakeholder anregen, Krebsbekämpfung auch in anderen Politikfeldern mitzudenken.

Das Programm ist ein strategisches Expert:innenpapier, das im Auftrag des BMASGPK erstellt wurde. Eingebunden waren mehr als 100 Expert:innen aus Wissenschaft, Versorgung, Verwaltung und Zivilgesellschaft – über Arbeitsgruppen, schriftliche Stellungnahmen, ein nationales Sounding Board sowie ein internationales Peer Review, unter anderem durch die Deutsche Krebsgesellschaft.

Das Krebsrahmenprogramm bündelt mehrere Schwerpunkte, die von Prävention und Früherkennung bis zur Versorgung und Nachsorge reichen. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Stärkung der Gesundheitsförderung und Primärprävention (z. B. Bewegung, Ernährung, Rauchstopp, Impfungen), inklusive besserer Vernetzung mit bestehenden Strategien zur Schaffung gesunder Lebenswelten
  • Evidenzbasierte, qualitätsgesicherte Screening- und Früherkennungsprogramme, inklusive Pilotierungen neuer Programme auf Empfehlung des Nationalen Screening-Komitees sowie mehrsprachiger, leicht verständlicher Informationen
  • Ausbau multiprofessioneller onkologischer Teams, u. a. durch Cancer Nurses, Sozialarbeiter:innen, medizinische Dokumentationsassistenz sowie Studien- und Pflegekoordination
  • Drehscheiben- und Lotsenfunktionen, damit Patient:innen koordiniert, verständlich und ohne Brüche durch das Versorgungssystem begleitet werden
  • Klinische Krebsregister, Qualitätsmessung und standardisierte Tumordokumentation als Grundlage für Transparenz, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung
  • Vernetzte Versorgung, inklusive Förderung von Comprehensive Cancer Centers, Comprehensive Cancer Care Networks und regionalen Versorgungsnetzwerken
  • Stärkung von Nachsorge, Rehabilitation sowie Leben mit und nach Krebs, inklusive psychoonkologischer Angebote, Survivorship-Programmen sowie qualitätsgesicherter Palliativ- und Hospizversorgung
     

Patient:innenorganisationen: „erstmals intensiv eingebunden - viele Vorschläge wurden berücksichtigt.“ 

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Anita Kienesberger, Vertreterin der Patient:innenorganisation DIE ALLIANZ in der Krebsversorgung.
Anita Kienesberger, Vertreterin der Patient:innenorganisation DIE ALLIANZ in der Krebsversorgung / © BMASGPK/David Habermann


Patient:innenvertretungen waren maßgeblich am Krebsrahmenprogramm beteiligt. Mit Blick auf die Patient:innenperspektive verweist Anita Kienesberger, Obfrau der Allianz onkologischer Patient:innenorganisationen, auf die Idee dahinter: gemeinsam auftreten – „mit einer Stimme und einem politischen Auftrag“.

Kienesberger hebt positiv hervor: „Wir waren erstmals intensiv in die Überarbeitung eingebunden, und viele unserer Vorschläge wurden berücksichtigt.“ Das Programm sei „um vieles besser, umfangreicher und damit auch evaluierbarer“ und setze wichtige Impulse – es stärke „die Stimme der Betroffenen“.

Gleichzeitig verweist Kienesberger darauf, dass entscheidend die Umsetzung sei: ob es gelinge, die relevanten Akteur:innen im föderalen System dauerhaft zu koordinieren. Zudem gehe es darum, Versorgung als durchgehendes Kontinuum bis in die Nachsorge und das Leben mit und nach Krebs zu denken.

Rückblick: Erfolge aus dem Krebsrahmenprogramm 2014–2025

Das BMASGPK sieht Erfolge im ersten Krebsrahmenprogramm (2014–2025), darunter:

  • das absolute Rauchverbot in der Gastronomie als Maßnahme der Krebsprävention
  • die Aufnahme der HPV-Impfung in den Impfplan
  • die Gründung des Nationalen Screening-Komitees für Krebserkrankungen
  • die Entwicklung einer Muster-Geschäftsordnung für Tumorboards
  • der Ausbau qualitätsgesicherter Gesundheitsinformationen
  • gezielte Kommunikationstrainings für Gesundheitsberufe in der Onkologie
  • die Pilotierung des Survivorship Passports (SUPA) als Schritt für strukturierte Nachsorge bei Kindern und Jugendlichen
     

Fazit: Neuer Kompass gegen Krebs für mehr Lebensqualität

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Pressekonferenz zur Präsentation des Nationalen Krebsrahmenprogramms. v.l.n.r: Gesundheitsministerin Korinna Schumann, Karin Eglau (Gesundheit Österreich GmbH), Anita Kienesberger (Obfrau der Allianz onkologischer PatientInnenorganisationen), Felix Keil (Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung – Hämatologie & Onkologie am Hanusch-Krankenhaus Wien).
V.l.n.r: Gesundheitsministerin Korinna Schumann, Karin Eglau (Gesundheit Österreich GmbH), Anita Kienesberger (Obfrau der Allianz onkologischer PatientInnenorganisationen), Felix Keil (Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung – Hämatologie & Onkologie am Hanusch-Krankenhaus Wien) / © BMASGPK/David Habermann


Bundesministerin Schumann sagte zusammenfassend: „Krebs betrifft uns alle – als Erkrankte, als Angehörige, als Freundinnen und Freunde.“ Mit dem Programm werde ein strategischer Kompass vorgelegt; Ziel sei es, Prävention zu stärken, Krebserkrankungen früh zu erkennen, die Versorgung weiterzuentwickeln und die Lebensqualität in allen Phasen mitzudenken. 

„Strategische Programme wirken, wenn sie breit getragen und konsequent umgesetzt werden.“Schumann unterstrich, das Krebsrahmenprogramm sei „kein Abschluss“, sondern „ein Auftrag“ für die kommenden Jahre – an Politik, Versorgung, Wissenschaft und Gesellschaft.

„Krebsbekämpfung heißt nicht nur, Leben zu verlängern, es heißt auch, Leben lebenswerter zu gestalten.“ Abschließend richtete sie einen Appell: „Bitte nützen Sie die Vorsorgeuntersuchungen. Die Angebote sind vielfältig und können Ihr Leben absolut verlängern und verbessern.“
 

Weitere Informationen:

Mediennachschau:

Pressefoto zur Präsentation des Nationalen Krebsrahmenprogramms 2026–2035 mit den Sprecher:innen.