Gesundheitskompetenz in der Primärversorgung: Erfahrungen aus Österreich
Gesundheitskompetenz ist nicht nur eine Frage individueller Fähigkeiten. Auch Gesundheitseinrichtungen tragen Verantwortung dafür, Informationen, Angebote und Versorgungswege verständlich und zugänglich zu gestalten.
Im Rahmen von JA PreventNCD erprobten zehn österreichische Primärversorgungseinheiten ein Instrument zur Selbsteinschätzung ihrer organisationalen Gesundheitskompetenz.

Überblick Gesundheitskompetenz:
Organisationale Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit und Verantwortung von Organisationen, Menschen den gleichberechtigten Zugang zu verständlichen Informationen und Leistungen zu erleichtern.
Dazu gehören beispielsweise leicht auffindbare Angebote, verständliche Kommunikation, übersichtliche Versorgungswege, die Beteiligung von Patientinnen und Patienten, geschulte Mitarbeiter:innen sowie die Verankerung von Gesundheitskompetenz in Leitung, Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung.
Zehn österreichische Primärversorgungseinheiten erprobten das internationale Selbsteinschätzungsinstrument OHL-PHC.
Das Instrument umfasst sieben Standards, 15 Unterstandards und 70 messbare Elemente. Nach individuellen Einschätzungen diskutierten die Teams ihre Ergebnisse gemeinsam, identifizierten Entwicklungsmöglichkeiten und legten nächste Schritte fest. Die Selbsteinschätzungen wurden von Juni bis November 2025 durchgeführt
Die Selbsteinschätzung erwies sich für die teilnehmenden Primärversorgungseinheiten als grundsätzlich praktikabel und sinnvoll.
Relativ gut entwickelt waren insbesondere nutzerorientierte Bereiche wie Zugänglichkeit, Navigation und Kommunikation. Weiterer Entwicklungsbedarf zeigte sich unter anderem bei der organisatorischen Verankerung, der Personalentwicklung, der digitalen Inklusion und bei systematischen Beteiligungs- und Rückmeldemöglichkeiten.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine strukturierte Selbsteinschätzung Organisationslernen und Qualitätsentwicklung unterstützen und strukturelle Barrieren für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sichtbar machen kann.
- Österreichische Publikation:
Organizational health literacy in Austria – policy developments and results from a pilot assessment in primary care
- Europäische Publikation:
Die europäische Studie untersucht förderliche und hinderliche Faktoren in sechs Ländern. Als wichtig werden insbesondere Unterstützung durch Führungskräfte, Schulungen, die Einbindung in Qualitätsstrukturen sowie praktische und zugängliche Instrumente beschrieben.
Organisational health literacy in healthcare in Europe
- Instrument:
Internationale Selbsteinschätzungsinstrumente von M-POHL
- Hintergrundpublikation:
Strengthening population and organizational health literacy to reduce social inequalities within JA PreventNCD