Direkt zum Inhalt

Epidemiologie- und Drogenbericht 2025: Stabiler Konsum, neue Risiken

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat mit dem Epidemiologiebericht Sucht 2025 und dem Bericht zur Drogensituation 2025 zwei zentrale Analysen zur Suchtsituation in Österreich vorgelegt. In der Zusammenschau zeigen die Berichte ein weitgehend stabiles Gesamtbild, gleichzeitig aber Verschiebungen bei Substanzen, Konsummustern und Risiken – insbesondere für junge Menschen. Erstmals wird auch Glücksspiel systematisch im Epidemiologiebericht erfasst.

Glücksspiel erstmals im Bericht erfasst

Glücksspiel wird erstmals umfassend berücksichtigt und stellt eine relevante, im öffentlichen Diskurs bislang wenig präsente Suchtproblematik dar. Rund 50 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren nehmen zumindest einmal jährlich an Glücksspiel oder Sportwetten teil, rund 40 Prozent monatlich. Etwa vier Prozent (rund 300.000 Personen) zeigen zumindest ein mildes pathologisches Spielverhalten, rund ein Prozent eine schwere Form.

Besonders dynamisch entwickeln sich Online-Angebote und Sportwetten, die niedrigschwellig verfügbar sind und vor allem junge Menschen ansprechen. Glücksspielautomaten, Sportwetten und Poker weisen das höchste Suchtpotenzial auf. Problematisches Glücksspiel ist mit schwerwiegenden Folgen verbunden – von Verschuldung (Median rund 28.000 Euro bei Betroffenen in Behandlung) bis hin zu psychischen Belastungen und Suizidgedanken.

Die Datenlage ist derzeit noch begrenzt, was die Notwendigkeit eines verbesserten Monitorings und einer stärkeren Berücksichtigung in Prävention und Versorgung unterstreicht.

Nikotin: Rückgang beim Rauchen, Zunahme neuer Produkte

Nikotin bleibt die verbreitetste Suchtform in Österreich: Rund 24 Prozent der Bevölkerung konsumieren täglich Nikotinerzeugnisse (circa eins Komma acht Millionen Menschen). Während der klassische Zigarettenkonsum zurückgeht, steigt der Konsum neuer Produkte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel. Elektronische Inhalationsprodukte werden von rund sechs Prozent täglich oder fast täglich genutzt – häufig zusätzlich zum Rauchen.

Besonders bei Jugendlichen zeigt sich ein deutlicher Anstieg: 8,4 Prozent der Buben und 3,6 Prozent der Mädchen konsumieren täglich Nikotinbeutel, im letzten Monat sogar 16 Prozent aller Schüler:innen. Häufig werden mehrere Produkte parallel genutzt. Gleichzeitig denken fast zwei Drittel der Raucher:innen darüber nach, aufzuhören.

Alkohol: Hohe Betroffenenzahlen, langfristig positive Trends

Alkohol ist weiterhin die am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz in Östrreich. Rund 15 Prozent der Bevölkerung trinken in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß (eins Komma eins bis eins Komma zwei Millionen Menschen), etwa fünf Prozent gelten als alkoholabhängig

Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Problematischer Konsum nimmt mit dem Alter zu und ist besonders zwischen 40 und 70 Jahren verbreitet. Langfristig sind sowohl Konsum als auch alkoholbedingte Erkrankungen rückläufig, die absoluten Zahlen bleiben jedoch hoch.

Risikoreicher Drogenkonsum: Opioide

Der risikoreiche Konsum illegaler Drogen wird in Österreich weiterhin von Opioiden dominiert. Für 2023/2024 wird die Zahl der Betroffenen auf 36.000 bis 39.000 geschätzt. Rund 75 Prozent sind Männer, etwa 90 Prozent älter als 25 Jahre, knapp die Hälfte lebt in Wien. Zwischen 10.800 und 13.700 Personen konsumieren überwiegend intravenös.

Im Jahr 2024 befanden sich 20.939 Personen in Opioid-Agonisten-Therapie (OAT). Die Behandlungsrate ist im europäischen Vergleich hoch, stagniert jedoch seit mehreren Jahren.

Insgesamt zeigt sich keine Ausweitung des Konsums, jedoch nehmen hochriskante Konsummuster zu. Besonders problematisch ist der Mischkonsum mehrerer Substanzen – etwa die Kombination von Opioiden mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen. Dieser ist maßgeblich für akute Notfälle, Spitalsaufenthalte und drogenbezogene Todesfälle verantwortlich.

Diese Form des Konsums tritt häufig außerhalb klassischer Szenen auf und betrifft auch jüngere und in dieser Gruppe verstärkt auch weibliche Konsumentinnen und Konsumenten. Sie stellt die Suchthilfe vor besondere Herausforderungen, da diese Zielgruppe mit bestehenden Angeboten oft nur schwer erreicht werden.

Cannabis

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Österreich. Etwa ein Fünftel der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung hat zumindest einmal im Leben Cannabis konsumiert. Meist beschränkt sich der Konsum jedoch auf eine kurze Lebensphase. Ein vergleichsweise kleiner Teil entwickelt eine behandlungsbedürftige Problematik. 

Daten aus dem Drug-Checking und aus Sicherstellungen weisen darauf hin, dass Cannabis in Österreich zum Teil mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wird. Der Konsum dieser Substanzen ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden.

Kokain und Stimulanzien

Beide Berichte stellen übereinstimmend eine zunehmende Relevanz von Kokain und anderen Stimulanzien fest. So geben rund 6 Prozent der 15- bis 64-Jährigen laut einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung an, zumindest einmal Kokain konsumiert zu haben, etwa 1,5 Prozent im letzten Jahr und rund 0,8 Prozent in den letzten 30 Tagen. 

Auch im Behandlungsbereich steigt der Anteil von Personen mit Kokain- oder Stimulanzienkonsum seit mehreren Jahren. Gleichzeitig weisen Marktindikatoren wie hohe Verfügbarkeit, stabile bis sinkende Preise und steigende Reinheitsgrade auf ein attraktiveres Marktumfeld hin.

Drogenbezogene Todesfälle und neue Risikogruppen

Im Jahr 2024 wurden 257 direkt drogenbezogene Todesfälle registriert. Die Zahl liegt auf dem Niveau des Vorjahres, aber deutlich über jener der frühen 2010er-Jahre.

Auffällig ist die Altersstruktur: Sowohl der Anteil der unter 25-Jährigen als auch jener der über 35-Jährigen ist gestiegen. Dies deutet auf unterschiedliche Risikogruppen hin – junge Menschen mit besonders riskanten Konsummustern sowie ältere Langzeitabhängige mit erhöhter Vulnerabilität.

Die Todesfälle stehen überwiegend im Zusammenhang mit Opioiden, sind jedoch zunehmend durch veränderte Risikokonstellationen geprägt, insbesondere durch Mischkonsum. Hinweise deuten auf eine Gruppe junger Menschen mit komplexen Konsummustern und psychischen Belastungen hin, die bislang nur schwer an das Suchthilfesystem angebunden ist.

Vor diesem Hintergrund sind niederschwellige Zugänge zu Unterstützungsangeboten zentral. Digitale Angebote wie der Suchthilfekompass erleichtern die Orientierung im Suchthilfesystem und den Zugang zu Hilfe.

Weiterführende Informationen

Suchthilfekompass

GÖG – Kompetenzzentrum Sucht
 

Berichte downloaden:

Drogenberichte GÖG