Direkt zum Inhalt

Schwammerlsaison 2026: Vorsicht vor Pilzbestimmung mit KI

Die Schwammerlsaison ist heuer später gestartet als in den vergangenen Jahren. Mit dem Pilzwachstum steigt nun auch wieder die Gefahr von Verwechslungen. Besonders der Grüne Knollenblätterpilz kann lebensgefährlich werden. Die Vergiftungsinformationszentrale warnt davor, sich bei der Pilzbestimmung auf Apps oder Künstliche Intelligenz zu verlassen.

Wer im Wald selbst Pilze sammelt, sollte genau wissen, was im Korb landet. Giftige Arten können essbaren Pilzen zum Verwechseln ähnlich sehen – und manche Vergiftungen machen sich erst Stunden oder sogar Tage nach dem Verzehr bemerkbar. Die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) der Gesundheit Österreich rät deshalb zu besonderer Vorsicht.

Trockenheit verzögert Pilzsaison

Zumindest im Osten Österreichs hat die lange Trockenheit dazu geführt, dass die Pilzsaison 2026 später begonnen hat. Das zeigt sich auch bei den Anfragen an die VIZ.

Zwischen Jänner und Juli 2026 gingen dort 120 Anfragen im Zusammenhang mit Pilzen ein. Im gleichen Zeitraum waren es 2025 rund 180 und 2024 rund 220. Die VIZ rechnet damit, dass sich die Anfragen nach Pilzverzehr heuer entsprechend nach hinten verschieben.

Knollenblätterpilz: Schon ein Pilz kann tödlich sein

Besondere Vorsicht ist beim Grünen Knollenblätterpilz und anderen amanitinhaltigen Pilzen geboten. Das Tückische: Erste Beschwerden treten häufig erst viele Stunden nach dem Essen auf. Auf starkes Erbrechen und Durchfall kann zunächst eine scheinbare Besserung folgen. Danach können jedoch schwere Schäden an Leber und Nieren auftreten.

Dieter Genser, Leiter der VIZ:„Schon der Verzehr eines einzigen Knollenblätterpilzes reicht, um bei einem Erwachsenen ein tödliches Leberversagen zu verursachen.“

In schweren Fällen kann sogar eine Lebertransplantation notwendig werden.

Gefährliche Doppelgänger

Bild
Vorsicht vor giftigen Pilzen - Übersichtsinfoblatt der Vergiftungsinformationszentrale.

Viele beliebte Speisepilze haben giftige oder zumindest unbekömmliche Doppelgänger. Der Grüne Knollenblätterpilz kann etwa mit grünen Täublingen, dem Parasol oder anderen Lamellenpilzen verwechselt werden. Gerade junge Exemplare sind oft schwierig zu unterscheiden.

Auch bei anderen beliebten Schwammerln ist Vorsicht geboten: Steinpilze können mit Gallen- oder Satansröhrlingen verwechselt werden, Raukopf-Arten mit Eierschwammerln. Nach dem Verzehr bestimmter Raukopf-Arten können schwere Nierenschäden bis hin zum dialysepflichtigen Nierenversagen auftreten. Beschwerden können dabei erst nach einigen Tagen einsetzen.

Symptome einer Pilzvergiftung

Die typischen Anzeichen einer Vergiftung sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall

Bei besonders gefährlichen Arten wie dem Knollenblätterpilz treten Symptome erst mehrere Stunden nach dem Verzehr auf. Danach kann es zu einer scheinbaren Besserung kommen – bevor lebensbedrohliche Leber- und Nierenschäden folgen.

Auch essbare Pilze können Beschwerden auslösen: Auch verdorbene oder nicht ausreichend gegarte Speisepilze sowie größere Mengen können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall verursachen. Kleine Kinder reagieren erfahrungsgemäß besonders häufig mit Verdauungsbeschwerden.

Apps und KI ersetzen keine professionelle Pilzbestimmung

Ein Foto machen und von einer App oder Künstlicher Intelligenz bestimmen lassen? Davon rät die VIZ ausdrücklich ab. Apps, KI und Bilder aus dem Internet bieten keine ausreichend sichere Grundlage für die Bestimmung von Pilzen.

Wer selbst gesammelte Pilze essen möchte, sollte über fundierte Kenntnisse verfügen oder sie professionell bestimmen lassen. Pilzberatungen bieten unter anderem Pilzexpertinnen und -experten sowie vielerorts Marktämter an.

So lassen sich Risiken beim Sammeln reduzieren

Beim Sammeln gilt: 

  • Nur Pilze mitnehmen und essen, die eindeutig identifiziert wurden. 
  • Kleine und sehr junge Exemplare sollten besser stehen bleiben, da charakteristische Merkmale noch nicht vollständig ausgeprägt sein können.

Pilze sollten außerdem 

  • nicht in Plastiksäcken transportiert, 
  • vor dem Verzehr ausreichend gegart und 
  • aufgrund ihrer schweren Verdaulichkeit nur in kleineren Mengen gegessen werden.

Was tun bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung?

Bei Verdacht auf Pilzvergiftung gilt: Keine Zeit verlieren.
Die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) ist rund um die Uhr erreichbar unter:

Notruf 0–24 Uhr: 01 406 43 43

Bei schweren Beschwerden ist die Rettung unter 144 zu verständigen.

Für die telefonische Beratung sind möglichst genaue Angaben wichtig: 

  • Welche Pilze wurden gegessen? 
  • Wie viel? 
  • Wer ist betroffen? 
  • Wann wurden die Pilze gegessen?
  • Welche Beschwerden sind aufgetreten? 

 

Auf einen Blick

  • Schwammerlsaison 2026: Aufgrund der langen Trockenheit ist die Saison zumindest im Osten Österreichs später gestartet.
  • Knollenblätterpilz: Bereits ein einziger Pilz kann bei Erwachsenen ein tödliches Leberversagen verursachen.
  • Verwechslungsgefahr: Auch beliebte Speisepilze können gefährliche Doppelgänger haben.
  • Keine Bestimmung durch KI: Apps, KI und Fotos aus dem Internet ersetzen keine fachkundige Pilzbestimmung.
  • Im Verdachtsfall: Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43 kontaktieren.