Frühe Hilfen: Immer mehr Familien nutzen Unterstützung von Anfang an
Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind entscheidend für seine gesundheitliche, emotionale und soziale Entwicklung. Gleichzeitig stehen viele Familien rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit vor großen Herausforderungen. Die Frühen Hilfen unterstützen Familien genau in dieser sensiblen Lebensphase – kostenlos, freiwillig und wohnortnah.
Dass dieses Angebot zunehmend angenommen wird, zeigen aktuelle Zahlen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen: Im Jahr 2025 nahmen österreichweit 5.736 Familien Kontakt zu den Frühen Hilfen auf. Rund 2.900 Familien wurden längerfristig begleitet, weitere etwa 1.600 Familien erhielten kurzfristige Unterstützung. Seit dem flächendeckenden Ausbau der Frühen Hilfen im Jahr 2023 hat sich die Zahl der Kontaktaufnahmen deutlich erhöht.
Bei der österreichweiten Frühe-Hilfen-Fachtagung am 2. Juni 2026 in Linz diskutierten Expertinnen und Experten aus Gesundheitswesen, Sozialbereich, Wissenschaft und Politik aktuelle Entwicklungen sowie die Bedeutung früher Unterstützung für Kinder, Eltern und die Gesellschaft.
Warum Frühe Hilfen so wichtig sind
Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre eines Kindes bringen große Veränderungen mit sich. Viele Familien erleben in dieser Zeit Belastungen – sei es durch finanzielle Sorgen, gesundheitliche Herausforderungen, psychische Belastungen oder fehlende soziale Unterstützung. Genau hier setzen die Frühen Hilfen an: Sie begleiten Schwangere und Familien mit Kindern bis drei Jahren kostenlos, freiwillig und niederschwellig.
Aktuelle Daten auf einen Blick:
- Seit dem flächendeckenden Ausbau im Herbst 2023 wächst die Nachfrage kontinuierlich.
- Im Jahr 2025 nahmen österreichweit 5.736 Familien Kontakt zu den Frühen Hilfen auf.
- Rund 2.900 Familien wurden längerfristig begleitet, weitere etwa 1.600 Familien erhielten eine kurzfristige Unterstützung.
- Damit hat sich die Zahl der Kontaktaufnahmen im Vergleich zu 2022 mehr als verdoppelt.
Frühe Unterstützung stärkt Kinder und Eltern
Im Mittelpunkt der Fachtagung stand die Frage, wie frühe Unterstützung Familien nachhaltig stärken kann. Neurobiologin Nicole Strüber erklärte, dass sich das kindliche Gehirn von Beginn an in Beziehungen entwickelt. Frühe Erfahrungen beeinflussen, wie Kinder Sicherheit erleben, mit Stress umgehen und Gefühle regulieren.
Gleichzeitig ist Entwicklung kein unveränderlicher Prozess. Werden Eltern rechtzeitig unterstützt und erleben Kinder verlässliche Beziehungen, können Belastungen abgefedert und neue Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen werden. Frühe Hilfen leisten damit einen wichtigen Beitrag für die gesunde Entwicklung von Kindern und die Stärkung von Familien.
Familien stärken, Entwicklung fördern
Die Daten zeigen, dass die Frühen Hilfen insbesondere jene Familien erreichen, die Unterstützung besonders dringend benötigen. Dazu zählen:
- armutsgefährdete Familien,
- Ein-Eltern-Familien,
- Familien mit Migrationserfahrungen sowie
- Familien mit hoher psychosozialer Belastung.
Gerade in belastenden Lebenssituationen kann es schwierig sein, den Familienalltag zu bewältigen und auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen.
Erfahrungen aus den Frühen Hilfen zeigen zudem, dass Familien mit geringeren finanziellen Ressourcen Unterstützungsangebote seltener eigenständig aufsuchen. Umso wichtiger ist die Rolle von Fachpersonen, die Belastungen früh erkennen und Familien aktiv auf passende Angebote aufmerksam machen.
Gesundheits- und Sozialberufe spielen eine Schlüsselrolle
Damit Familien frühzeitig Unterstützung erhalten, braucht es Menschen, die Belastungen erkennen und den Weg zu passenden Angeboten aufzeigen. Besonders wichtig sind dabei
- Krankenhäuser,
- Hebammen,
- Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sowie
- weitere Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich.
Besonders großes Potenzial sehen die Expertinnen und Experten in der stärkeren Einbindung von Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern, Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Kinderärztinnen und -ärzten. Sie begleiten Familien oft über lange Zeiträume und können Belastungen früh erkennen. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Daten, dass diese Berufsgruppen bisher noch vergleichsweise selten an die Frühen Hilfen vermitteln.
„Ein Kind braucht ein ganzes Dorf“
Die zentrale Botschaft der Tagung lautete: Kinder wachsen am besten in einem unterstützenden Umfeld auf. Familie, Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn, Gesundheits- und Sozialberufe sowie weitere Netzwerke tragen gemeinsam dazu bei, dass Kinder gute Entwicklungsbedingungen vorfinden.
Die steigenden Kontaktzahlen zeigen, dass die Frühen Hilfen in Österreich zunehmend als wichtiges Unterstützungsangebot wahrgenommen werden. Gleichzeitig verdeutlichen die Erfahrungen aus der Praxis, wie wichtig frühe Prävention und niederschwellige Begleitung für Familien sind.
Frühe Hilfen stärken Eltern, fördern die gesunde Entwicklung von Kindern und tragen dazu bei, gesundheitliche und soziale Folgebelastungen zu vermeiden. Damit sind sie nicht nur eine Unterstützung für einzelne Familien, sondern auch eine nachhaltige Investition in Gesundheit, Bildung und Chancengerechtigkeit in Österreich.
Stimmen von der Tagung
Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: „Belastungen in der frühen Kindheit können sich auf die gesamte weitere Entwicklung eines Kindes auswirken. Umso wichtiger ist es, Familien frühzeitig zu unterstützen, bevor Probleme chronisch werden. Frühe Hilfen setzen genau dort an: Sie unterstützen Familien frühzeitig, stärken Eltern in belastenden Situationen und helfen dabei, spätere gesundheitliche und soziale Folgebelastungen zu verhindern.“
Nicole Strüber, Neurobiologin, Autorin und Speakerin: „Frühe Erfahrungen prägen nicht nur, was Kinder erleben, sondern auch, wie sie Sicherheit erwarten, Stress verarbeiten und Gefühle regulieren. Gleichzeitig bleibt Entwicklung veränderbar. Wenn Eltern unterstützt werden und Kinder verlässliche Beziehungen erleben, können Belastungen aufgefangen und neue Entwicklungschancen geschaffen werden.“
Marion Weigl, Leiterin des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen: „Belastungen rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit sind normal und können jede Familie betreffen. Die Frühen Hilfen unterstützen Familien niederschwellig, evidenzbasiert und partnerschaftlich. Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Bereich, um Familien frühzeitig zu erreichen und kontinuierlich zu begleiten.“
Petra Winkler, Nationales Zentrum Frühe Hilfen: „Alle Kinder haben ein Recht auf ein gutes Aufwachsen. Frühe Hilfen sind unabhängig von der finanziellen Situation einer Familie hilfreich. Besonders wichtig ist es, Familien in belastenden Lebenslagen frühzeitig zu erreichen und ihnen passende Unterstützung anzubieten.“
Weiterführende Links
Nationales Zentrum Frühe Hilfen













