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Epidemiologie- und Drogenbericht 2025: Stabiler Konsum, neue Risiken

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat mit dem Epidemiologiebericht Sucht 2025 und dem Bericht zur Drogensituation 2025 zwei zentrale Analysen zur Suchtsituation in Österreich vorgelegt. In der Zusammenschau zeigen die Berichte ein weitgehend stabiles Gesamtbild, gleichzeitig aber Verschiebungen bei Substanzen, Konsummustern und Risiken – insbesondere für junge Menschen. Erstmals wird auch Glücksspiel systematisch im Epidemiologiebericht erfasst.

"Wir sehen insgesamt eine stabile Drogensituation in Österreich, dies zeigt sich in allen Datenquellen bis auf die drogenbezogenen Todesfälle. Hier steigt die Zahl insgesamt, aber auch der Anteil der Personen unter 25 Jahren,"  fasst Martin Busch, Leiter des Kompetenzzentrums Sucht an der GÖG, die Ergebnisse im Zuge eines Pressegesprächs Ende April zusammen.

Glücksspiel erstmals im Bericht erfasst

Rund 50 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren nehmen zumindest einmal jährlich an Glücks-spiel oder Sportwetten teil, rund 40 Prozent monatlich. Etwa vier Prozent der Bevölkerung – rund 300.000 Personen – erfüllen die Kriterien für zumindest eine milde Form pathologischen Glücksspielverhaltens, rund ein Prozent eine schwere Form.

Glücksspiele sind Spiele, bei denen gegen Einsatz eines Vermögenswerts ein vermögenswerter Gewinn in Aussicht gestellt wird, wobei das Ergebnis ausschließlich oder überwiegend vom Zufall abhängt. Dazu zählen etwa Automatenglücksspiel, Roulette, Kartenspiele oder Lotterien; die Teilnahme ist sowohl online als auch vor Ort möglich. Sportwetten sind in Österreich rechtlich nicht als Glücksspiel eingestuft, werden fachlich jedoch als solches betrachtet.

Besonders dynamisch entwickeln sich Online-Angebote und Sportwetten, die niedrigschwellig verfügbar sind und vor allem junge Menschen ansprechen. Glücksspielautomaten, Sportwetten und Poker weisen das höchste Suchtpotenzial auf. Gemäß einer repräsentativen Befragung haben insgesamt drei Prozent von Personen, die Glücksspiel nutzen, eine schweres pathologisches Glücksspielverhalten. Bei Glücksspielautomaten (14 Prozent), Sportwetten (8 Prozent) und Poker (20 Prozent) ist dieser Anteil wesentlich höher.

Busch erklärt: "Beim Glücksspiel sehen wir, dass insbesondere Online-Angebote und Sportwetten gerade bei jungen Menschen an Bedeutung gewinnen und mit erhöhten Risiken verbunden sein können. Problematisches Glücksspiel kann zu erheblichen finanziellen Belastungen führen: In der Suchthilfe sieht man Verschuldungen von mehreren zehntausend Euro, aber auch Jobverlust und massive Belastungen für Familien. Doch im Bereich Glücksspiel stehen wir beim Monitoring noch am Anfang – die Datenlage ist deutlich schlechter als bei anderen Suchtformen. Die Daten die verfügbar sind, sprechen allerdings für eine große Relevanz der Thematik, insbesondere bei jungen Menschen, die sich im öffentlichen Diskurs kaum widerspiegelt."

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Pressekonferenz Drogenbericht Foto: Sonja Bachmayer
Martin Busch, Leiter des Kompetenzzentrums Sucht an der GÖG, bei der Präsentation der Ergebnisse. © Sonja Bachmayer

Pathologisches Glücksspiel ist mit schwerwiegenden Folgen verbunden – diese reichen von Verschuldung bis hin zu Suizidgedanken und -versuchen. Die Verschuldung von Personen, die wegen dieser Problematik von der Glücksspielhilfe Wien behandelt werden, liegt im Median bei rund 28.000 Euro. Es zeigt sich insbesondere bei jungen Menschen ein Zusammenhang zwischen häufigem Glücksspiel und psychischen Belastungen. Dieser Zusammenhang darf jedoch nicht kausal interpretiert werden. So ist es gleichermaßen möglich, dass häufiges Glücksspiel zu psychosozialen Problemen führt oder dass Personen mit psychischen Belastungen häufiger Glücksspiel nutzen. Das Ergebnis legt jedoch nahe, dass für einen erhebliche Anteil von Personen, die häufig Glücksspiele nutzen, dies nicht mit Vergnügen, sondern mit psychoso-zialen Problemen verbunden ist.  

Nikotin: Rückgang beim Rauchen, Zunahme neuer Produkte

Nikotin bleibt die verbreitetste Suchtform in Österreich: Rund 24 Prozent der Bevölkerung konsumieren täglich Nikotinerzeugnisse (circa eins Komma acht Millionen Menschen). „Beim Nikotinkonsum sehen wir einen klaren Wandel: Während das klassische Rauchen zurückgeht, gewinnen neue Produkte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel stark an Bedeutung – besonders bei jungen Menschen. Der tägliche Nikotinkonsum und damit die Nikotinsucht steigt dadurch wieder an," so der Experte. Elektronische Inhalationsprodukte werden von rund sechs Prozent täglich oder fast täglich genutzt – häufig zusätzlich zum Rauchen.

Besonders bei Jugendlichen zeigt sich ein deutlicher Anstieg: 8,4 Prozent der Buben und 3,6 Prozent der Mädchen konsumieren täglich Nikotinbeutel, im letzten Monat sogar 16 Prozent aller Schüler:innen. Häufig werden mehrere Produkte parallel genutzt. Gleichzeitig denken fast zwei Drittel der Raucher:innen darüber nach, aufzuhören.

Alkohol: Hohe Betroffenenzahlen, langfristig positive Trends

Alkohol ist weiterhin die am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz in Östrreich. Rund 15 Prozent der Bevölkerung trinken in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß (eins Komma eins bis eins Komma zwei Millionen Menschen), etwa fünf Prozent gelten als alkoholabhängig

Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Problematischer Konsum nimmt mit dem Alter zu und ist besonders zwischen 40 und 70 Jahren verbreitet. Langfristig sind sowohl Konsum als auch alkoholbedingte Erkrankungen rückläufig, die absoluten Zahlen bleiben jedoch hoch.

Risikoreicher Drogenkonsum: Opioide

Der risikoreiche Konsum illegaler Drogen wird in Österreich weiterhin klar von Opioiden dominiert. Für 2023/2024 wird die Zahl der Menschen mit risikoreichem Opioidkonsum auf 36.000 bis 39.000 Personen geschätzt. Rund 75 Prozent sind Männer, etwa 90 Prozent älter als 25 Jahre. Knapp die Hälfte lebt in Wien. Zwischen 10.800 und 13.700 Personen konsumieren Opioide überwiegend intravenös.

Im Jahr 2024 befanden sich 20.939 Personen in Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) – damit mehr als jede zweite Person mit risikoreichem Opioidkonsum. Die Behandlungsrate gilt im europäischen Vergleich als hoch, stagniert jedoch seit Mitte der 2010er-Jahre.

Insgesamt zeigen die Daten keine Ausweitung des Konsums. Gleichzeitig nehmen jedoch hochriskante Konsummuster zu. Zunehmend problematisch ist insbesondere der Mischkonsum mehrerer Substanzen – etwa die Kombination von Opioiden mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen. Dieser ist maßgeblich für akute Notfälle, Spitalsaufenthalte und drogenbezogene Todesfälle verantwortlich.

Diese Form des Konsums betrifft auch eine Gruppe junger Personen mit hohen psychosozialen Belastungen und erhöhter psychiatrischer Komorbidität und einem vergleichsweise hohen weiblichen Anteil. Sie stellt die Suchthilfe vor besondere Herausforderungen, da diese Zielgrup-pe mit bestehenden Angeboten nur schwer erreicht wird.

Cannabis

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Österreich. Etwa ein Fünftel der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung hat zumindest einmal im Leben Cannabis konsumiert. Meist beschränkt sich der Konsum jedoch auf eine kurze Lebensphase. Ein vergleichsweise kleiner Teil entwickelt eine behandlungsbedürftige Problematik. 

Daten aus dem Drug-Checking und aus Sicherstellungen weisen darauf hin, dass Cannabis in Österreich zum Teil mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wird. Der Konsum dieser Substanzen ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden.

Kokain und Stimulanzien

Beide Berichte stellen übereinstimmend eine zunehmende Relevanz von Kokain und anderen Stimulanzien fest. So geben rund 6 Prozent der 15- bis 64-Jährigen laut einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung an, zumindest einmal Kokain konsumiert zu haben, etwa 1,5 Prozent im letzten Jahr und rund 0,8 Prozent in den letzten 30 Tagen. 

Auch im Behandlungsbereich steigt der Anteil von Personen mit Kokain- oder Stimulanzienkonsum seit mehreren Jahren. Gleichzeitig weisen Marktindikatoren wie hohe Verfügbarkeit, stabile bis sinkende Preise und steigende Reinheitsgrade auf ein attraktiveres Marktumfeld hin.

Drogenbezogene Todesfälle und neue Risikogruppen

Im Jahr 2024 wurden 257 direkt drogenbezogene Todesfälle registriert. Die Zahl liegt auf dem Niveau des Vorjahres, aber deutlich über jener der frühen 2010er-Jahre.

Auffällig ist die Altersstruktur: Sowohl der Anteil der unter 25-Jährigen als auch jener der über 35-Jährigen ist gestiegen. Dies deutet auf zwei unterschiedliche Risikogruppen hin – einerseits junge Menschen mit besonders riskanten Konsummustern und andererseits ältere Langzeitdrogenabhängige mit erhöhter Vulnerabilität für Überdosierungen.

Die Todesfälle stehen überwiegend im Zusammenhang mit Opioiden, sind jedoch zunehmend durch veränderte Risikokonstellationen geprägt, insbesondere durch Mischkonsum. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass die Entwicklung weniger durch neue Substanzen als vielmehr durch veränderte Risikokonstellationen erklärbar ist. 

Der Experte präzisiert: "Berichte aus den Bundesländern und die Analyse der akutstationären Spitalsbehandlungen legen nahe, dass es eine Gruppe junger Menschen mit chaotischen polyvalenten Konsummustern und psychiatrischer Komorbidität gibt, die (noch) nicht an das Drogenhilfesystem angedockt haben. Der Anteil von Mädchen in dieser Gruppe ist höher als in der Klientel der Suchthilfe. Es gibt zwar keine umfassenden Statistiken dazu, aber Berichte, dass es sich oft um in ihrer Entwicklung schwer traumatisierte Menschen handelt. Österreich verfügt über ein gut ausgebautes Suchthilfesystem. Wichtig ist, die Zugänge noch niederschwelliger zu gestalten, um insbesondere junge, weibliche Risikogruppen besser zu erreichen.“

Vor diesem Hintergrund sind niederschwellige Zugänge zu Unterstützungsangeboten zentral. Digitale Angebote wie der Suchthilfekompass erleichtern die Orientierung im Suchthilfesystem und den Zugang zu Hilfe.

Weiterführende Informationen

Epidemiologiebericht Sucht 2025

Bericht zur Drogensituation 2025

Suchthilfekompass

GÖG – Kompetenzzentrum Sucht
 

Medienberichte

Ö1 Morgenjournal 7 Uhr, 27.4.2026

ZIB 7:00, 27.4.2026

Ö1 Morgenjournal 8 Uhr, 27.4.2026

ZIB 13:00, 27.4.2026

DerStandard.at, 27.4.2026

Kleine Zeitung, 27.4.2026

Die Presse, 27.4.2026

OÖ Nachrichten, 28.4.2026

Kurier, 28.4.2026

ZIB1, 27.4.2026

ZIB 2, 27.4.2026

MeinBezirk.at, 27.4.2026

Pressekonferenz Drogenbericht Foto: Sonja Bachmayer