GÖG-Colloquium | Stigma – „Folgeerkrankung“ mit viel menschlichem Leid und hohen volkswirtschaftlichen Kosten

Beginn der Veranstaltung
16.10.2018 17:30 Uhr
Ende der Veranstaltung
16.10.2018 19:00 Uhr
Veranstaltungsort
Gesundheit Österreich GmbH, Eingang Biberstraße 20, 1010 Wien
Edwin Ladinser
Michaela Steurer
Michaela Amering

Menschen mit psychischen Erkrankungen (sowie deren Angehörige und alle mit diesem Themenfeld befassten Berufsgruppen) sind aufgrund kulturell tief verwurzelter Stereotype und negativer Vorurteile einer ganzen Reihe von Diskriminierungen ausgesetzt. Die Folgen für Betroffene sind oft geringere Chancen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, Verlust intimer Beziehungen, Reduktion des sozialen Netzwerkes und Schwächung des Selbstwertgefühls. Diese Benachteiligungen und Belastungen erhöhen das Risiko für Rückfälle oder für einen chronischen Krankheitsverlauf. Expertinnen und Experten sprechen daher von Stigma als „zweiter Erkrankung“. Die Angst vor Stigmatisierung verzögert zudem das Aufsuchen von Hilfe in psychischen Krisen und führt zu einer Tabuisierung des Sprechens über psychische Krisen und deren Bewältigung, was letztlich auf gesellschaftlicher Ebene zu einer Steigerung der Gesundheitskosten führt.

Die GÖG ist in mehreren Projekten zur Bekämpfung von Stigma und Diskriminierung aktiv. In diesem GÖG-Colloquium kommen drei renommierte österreichische Stigma-Expertinnen zu Wort, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und zeigen, wie durch die trialogische Darstellung des Themas ein vollständigeres Bild und tieferes Verständnis vermittelt werden können. Die Veranstaltung wurde angeregt durch die Kompetenzgruppe Entstigmatisierung des BMASGK.

Vortrag Ladinser: Stigma und psychische Erkrankungen Angehörige als Mitbetroffene

Vortrag Amering: Stigma und Diskriminierung --> Stigmaresistenz und Anti-Diskriminierung

Das trialogische Vortragsteam

Edwin Ladinser, Angehöriger, Projektleiter bei HPE Österreich – Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter. Das Thema „Inklusion vs. Stigmatisierung“ ist seit vielen Jahren Teil seiner Arbeit

Michaela Steurer, seit 1994 in der Psychiatrie-Erfahrenen-Bewegung aktiv, Gründungsmitglied und bis 2006 Mitarbeitende im Dachverband der Selbsthilfegruppen HSSG in Niederösterreich, derzeit tätig für den Verein Freiräume. Seelische Gesundheit und Arbeit sowie Stigma-Bekämpfung sind ihr besondere persönliche Anliegen.

Michaela Amering ist Professorin und Oberärztin an der Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Universität Wien mit besonderem Interesse an den psychosozialen Aspekten der Situation von Menschen mit der Diagnose Schizophrenie und deren Familien und Freunden. Sie hat klinische und Forschungserfahrung gesammelt – auch in UK, USA und Kanada –, verfolgt seit vielen Jahren die internationale Entwicklung der Betroffenenbewegung und beschäftigt sich mit den ihrer Ansicht nach großen Chancen, die durch eine starke Betroffenenbewegung und eine trialogische Gestaltung der Psychiatrie entstehen.