Grundlagen und Literatur zu Health in All Policies (HiAP)
Diese Seite bietet einen vertieften Überblick über den Ansatz Health in All Policies (HiAP) und seine fachlichen, politischen und internationalen Grundlagen. Sie ergänzt die einführenden Inhalte durch ausführlichere Darstellungen zentraler Konzepte, Prinzipien und Entwicklungen.
Im Mittelpunkt stehen die grundlegenden Annahmen von HiAP, seine Verankerung in internationalen Strategien sowie konkrete Ansatzpunkte für die Umsetzung. Darüber hinaus werden zentrale Dokumente, politische Entwicklungen und Instrumente dargestellt, die den Ansatz auf internationaler und nationaler Ebene prägen.
Die Seite dient als weiterführende Informations- und Referenzquelle und richtet sich insbesondere an Fachpersonen, die sich vertiefend mit Health in All Policies, seinen Grundlagen und seiner Anwendung beschäftigen möchten.
Der Erfolg der Gesamtpolitik kann an ihren Auswirkungen auf die Gesundheit gemessen werden. Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Intersektorale Investitionen in Gesundheit tragen langfristig zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes bei. (WHO 1999)
Überblick:
- "Health in All Policies" ist eine gesundheitspolitische Strategie, die die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung auf einer breiten Basis wirksam und nachhaltig fördern möchte (Ståhl et al. 2006).
Ausgangspunkt für diese Strategie ist das Wissen, dass die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Gesundheit der Menschen außerhalb des traditionellen Gesundheitssystems liegen, wie etwa im Bereich der Sozial-, Bildungs-, Umwelt-, Arbeitsmarkt-, Verkehrs- oder Wirtschaftspolitik.
HiAP ist ein kollaborativer Ansatz der systematisch die Auswirkungen von politischen Entscheidungen auf die Gesundheit berücksichtigt, nach Synergien sucht und schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit vermeidet und so eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik schafft (The Helsinki Statement on Health in All Policies 2013).
- Legitimität,
- Rechenschaftspflicht,
- Transparenz und Zugang zu Informationen,
- Beteiligung,
- Nachhaltigkeit, und
- Zusammenarbeit über Sektoren und Regierungsebenen hinweg (WHO 2014)
- Die Resolution „Health for All“ (HFA) der Weltgesundheitsversammlung (WHA) bestätigte 1977 formell die Notwendigkeit eines intersektoralen Zugangs zur Förderung der Gesundheit.
Die aktuelle europäische „HFA policy“ („Health21“) betont explizit, dass bis zum Jahr 2020 alle Sektoren ihre Verantwortung für gesundheitliche Belange anerkennen und akzeptieren und in ihren Maßnahmen und Strategien gesundheitliche Auswirkungen mitberücksichtigen sollen (WHO 1999).
Eines der zentralen Handlungsfelder der Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung (WHO 1986) stellt die Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik dar. Die Wichtigkeit von Gesundheit bei Maßnahmen aller Sektoren wurde auf EU-Ebene 1997 im Vertrag von Amsterdam formell festgehalten (Artikel 152) (Commission of the European Communities 1997).
Im Jahr 2006 widmete die finnische Ratspräsidentschaft „Health in All Policies“ einen Schwerpunkt (Ståhl et al. 2006). EU und WHO setzen immer wieder Initiativen, und auch in Österreich wird verstärkt auf die Notwendigkeit einer intersektoralen Verantwortung für Gesundheit verwiesen.
- International gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte und Strategien, wie „Health in All Policies“ umgesetzt werden kann. In Österreich gibt es seit 2012 den Prozess der Gesundheitsziele, in dem zehn sektorenübergreifende Ziele zur Förderung der Gesundheit definiert wurden. Daneben wird versucht das international bereits etablierte Instrument der Gesundheitsfolgenabschätzung auch in Österreich verstärkt anzuwenden.
- International ist Health in All Policies ein anerkannter Ansatz für die sektorenübergreifende Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit. Die Forderung nach verstärkter Zusammenarbeit für mehr Gesundheit wurde bereits in der Alma Ata Deklaration 1978, sowie in der Ottawa Charter 1986 gestellt.
- Seit den 80er Jahren hat sich der Ansatz einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik immer weiter etabliert, neue Evidenz wurde generiert und Trainingsmanuals erstellt. Seitens der WHO gibt es einige zentrale Publikationen in denen dieser systemische Ansatz begründet wird:
- Adelaide Statement II - Implementing the Sustainable Development Agenda through good governance for health and wellbeing: building on the experience of Health in All Policies (2017)
- Auch hat sich in den letzten Jahren ein Globales Netzwerk zu HiAP (GNHiAP) gebildet, welches spezifische Weiterbildungen anbietet. Zunehmend wird HiAP auch in Zusammenhang mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen diskutiert, da die Erreichung dieser Ziele stark von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Sektoren abhängt.
- Die aktuellen Entwicklungen werden auch im Global Status Report on Health in All Policies abgebildet.
- Die Politik, Determinanten und die Gesundheit der Bevölkerung werden als eine Art Kausalkette verstanden. Health in All Policies beginnt am Ursprung dieser Kette und kann dazu beitragen, die Politik insgesamt gesundheitsförderlicher zu gestalten, indem die allgemeinen Lebensbedingungen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Machverhältnisse in einer Gesellschaft adressiert werden. Wirkkette Verteilung der Gesundheit (WHO 2008):

- Ein Modell der Determinanten der Gesundheit liefern Griebler und Winkler (2015) in ihrem Public Health Monitoring Framework (PHMF). Dieses Modell zeigt, dass die Abwesenheit von Beschwerden und Erkrankungen, die uneingeschränkte Leistungs- und Handlungsfähigkeit und das umfassende Wohlbefinden der Menschen auf Ebene der Individuen durch physische und psychische Faktoren und durch ihr Verhalten beeinflusst werden.
- Umgeben ist der Mensch von Verhältnissen, welche ihr Leben maßgeblich prägen und somit direkten oder indirekten Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Diese Verhältnisse können von den Individuen nur schwer adressiert werden, und liegen daher in erster Linie in der Verantwortung der Politiker, Parteien, Politikberater, Lobbyisten und die Wählerschaft als Kollektiv. Individuen haben allerdings die Möglichkeit durch ihr Verhalten Einfluss auf ihre unmittelbare Lebenswelt (z.B. im eigenen Haushalt, am Arbeitsplatz) zu nehmen.
- PDF Modell der Determinanten der Gesundheit
- Die folgenden Links verweisen auf ausgewählte Websites von internationalen Organisationen.
- Die Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt allgemein den HiAP-Ansatz und stellt internationale Guides, und ein Trainingsmanual zur Verfügung.
- Das globale Netzwerk für HiAP stellt Ressourcen und Trainings für HiAP zur Verfügung.
- Commission of the European Communities (1997): Consolidated version of the Treaty establishing the European Community. In: Official Journal, C340, Commission of the European Community, Brussels, 173-308
- Gesundheitsziele Österreich (2017). Richtungsweisende Vorschläge für ein gesunderes Österreich - Langfassung. Herausgeber: Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF). Wien
- Griebler, Robert /Winkler, Petra /Gaiswinkler, Sylvia /Delcour, Jennifer / Juraszovich, Brigitte /Nowotny, Monika / Pochobradsky, Elisabeth / Schleicher, Barbara / Schmutterer, Irene (2017): Österreichischer Gesundheitsbericht 2016: Berichtszeitraum
2005–2014/15, Wien: Bundesministerium für Gesundheit und Frauen. - The Helsinki Statement on Health in All Policies (2013). Finland
- Ståhl, Timo; Wismar, Matthias; Ollila, Eeva; Lahtinen, Eero; Leppo, Kimmo (Ed.) (2006): Health in All Policies. Prospects and potentials. Ministry of Social Affairs and Health. Finland
- WHO Commission on Social Determinants of Health (2008): Closing the gab in a Generation: health equity through Action on the social determinants of health. Final Report of the Commission on Social Determinants of Health. Genf, WHO.
- WHO (2014): Health in All Policies (HiAP). Framework for Country Action.
- WHO (1999): Health 21 – Health for All in the 21th Century. European Health for All series No. 6. WHO Regional Office for Europe. Copenhagen
- WHO (1986): Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung. Weltgesundheitsorganisation.