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Gesundheitsfolgenabschätzung in Österreich

In Österreich wird die Gesundheitsfolgenabschätzung seit vielen Jahren systematisch entwickelt und angewendet. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) spielt dabei eine zentrale Rolle in der fachlichen Weiterentwicklung, Vernetzung und praktischen Umsetzung.

Diese Seite bietet einen Überblick über die Etablierung der GFA in Österreich, zentrale Netzwerke und Institutionen sowie über durchgeführte Gesundheitsfolgenabschätzungen auf nationaler und internationaler Ebene.

Konzept zur Etablierung der GFA in Österreich

Die Gesundheit Österreich GmbH erarbeitete im Jahr 2009 im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Gesundheit ein Konzept zur Etablierung der Gesundheitsfolgenabschätzung in Österreich. Dieses Konzept umfasst:

  • eine grundlegende Beschreibung der GFA
  • die Einordnung im Kontext von Health in All Policies, Gesundheitsförderung und gesundheitlicher Ungleichheit
  • die Darstellung von Zielen, Nutzen und Effektivität
  • Ergebnisse internationaler Länderanalysen
  • die Analyse der österreichischen Ausgangssituation

Zusätzlich wurden Expertinnen- und Experteninterviews durchgeführt, um spezifische Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten für Österreich zu berücksichtigen.

Entwicklung und Reflexion

Mit dem Abschluss der ersten Entwicklungsphase wurde eine systematische Reflexion durchgeführt. Dabei wurden:

  • Rückmeldungen aus dem GFA-Netzwerk eingeholt
  • Ergebnisse aus Lenkungsausschüssen analysiert
  • Erfahrungen des Projektteams der GÖG gemeinsam mit dem Ministerium ausgewertet

Die Ergebnisse dieser Reflexion dienten als Grundlage für die Weiterentwicklung und zukünftige Ausrichtung der Gesundheitsfolgenabschätzung in Österreich.

Institutionen und Netzwerke

Österreichisches GFA-Netzwerk
Das österreichische GFA-Netzwerk wurde ab 2010 schrittweise aufgebaut. Mitglieder sind Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Ministerien, Sozialversicherung, Landesverwaltungen sowie Fachleute aus dem Bereich Public Health. Ziel des Netzwerks ist:

  • der fachliche Austausch
  • die gemeinsame Weiterentwicklung der GFA
  • die Mitwirkung an zentralen Dokumenten und Leitfäden

GFA-Netzwerk Steiermark
Das GFA-Netzwerk Steiermark vereint Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Praxis und Verwaltung mit Erfahrung in der Umsetzung von Gesundheitsfolgenabschätzungen. Ziele sind:

  • Austausch zu laufenden Aktivitäten
  • Vernetzung mit nationalen Strukturen
  • Initiierung gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen
  • Weiterentwicklung der GFA in der Region

Durchführende Institutionen
In Österreich verfügen verschiedene Institutionen über Expertise in der Durchführung von GFA, darunter:

  • Gesundheit Österreich GmbH
  • FH JOANNEUM
  • Institut für Gesundheitsförderung und Prävention
  • Styria vitalis
  • weitere Organisationen im Public-Health-Bereich
     

Durchgeführte GFA in Österreich

Seit 2010 wurden in Österreich zahlreiche Gesundheitsfolgenabschätzungen zu unterschiedlichen Themen durchgeführt. Diese betreffen unter anderem:

  • Gesundheitsauswirkungen von politischen Regelungen (z. B. Blutspende, NichtraucherInnenschutz)
  • Maßnahmen im Bildungsbereich (z. B. Ganztagsschule, Bewegungseinheit)
  • Infrastruktur- und Raumplanungsprojekte
  • soziale und gesundheitspolitische Maßnahmen
  • Auswirkungen von Krisensituationen (z. B. COVID-19)

Die Projekte zeigen die breite Anwendbarkeit der GFA in unterschiedlichen Politikfeldern.

Beispiele:

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Im Auftrag des BMASGPK wurde eine Gesundheitsfolgenabschätzung zur möglichen Anpassung der Blutspenderegelungen für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), durchgeführt.

Ziel war es, die gesundheitlichen Auswirkungen einer modifizierten Risikoabschätzung zu analysieren und dabei sowohl Aspekte der Sicherheit von Blutspenden als auch der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Auswirkungen zu erwarten sind und eine differenzierte Abwägung zwischen Sicherheit, Gleichbehandlung und gesundheitlicher Chancengerechtigkeit notwendig ist.

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Im Auftrag des BMASGPK wurde eine Gesundheitsfolgenabschätzung zur Einführung einer täglichen Bewegungseinheit für Schülerinnen und Schüler bis zur 8. Schulstufe durchgeführt.

Ziel war es, mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen systematisch zu analysieren und Empfehlungen für die Umsetzung abzuleiten.

Die Ergebnisse zeigen insgesamt positive Effekte auf die individuelle Gesundheit, soziale Netzwerke und das Schulumfeld. Besonders relevant ist die Berücksichtigung von Chancengerechtigkeit und die Förderung benachteiligter Gruppen.

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Die Gesundheit Österreich GmbH führte im Auftrag des BMASGPK eine Gesundheitsfolgenabschätzung zu den Auswirkungen des ersten Lockdowns und der Social-Distancing-Maßnahmen durch.

Analysiert wurden sowohl positive als auch negative gesundheitliche Auswirkungen auf die Bevölkerung, insbesondere im Bereich der psychosozialen Gesundheit.

Die Ergebnisse zeigen, dass vulnerable Bevölkerungsgruppen besonders stark betroffen waren und gesundheitliche Ungleichheiten durch die Maßnahmen verstärkt werden konnten.

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Diese Gesundheitsfolgenabschätzung analysierte die Auswirkungen unterschiedlicher Regelungen zum NichtraucherInnenschutz in der Gastronomie.

Ziel war es, gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Szenarien zu vergleichen und deren Nutzen sowie potenzielle Risiken zu bewerten.

Die Ergebnisse zeigen klare gesundheitliche Vorteile eines umfassenden Nichtraucherschutzes sowie Unterschiede in den Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen.

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Diese Gesundheitsfolgenabschätzung untersuchte die Auswirkungen einer Einschränkung des Verkaufs stark zuckerhaltiger Getränke an Schulen.

Ziel war es, mögliche gesundheitliche Effekte auf Kinder und Jugendliche zu bewerten und Empfehlungen für gesundheitsförderliche Maßnahmen abzuleiten.

Die Ergebnisse zeigen positive Effekte auf die Gesundheit sowie Potenziale zur langfristigen Verbesserung des Ernährungsverhaltens

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Im Rahmen dieser Gesundheitsfolgenabschätzung wurden die Auswirkungen eines Straßenbauprojekts auf die Gesundheit der Bevölkerung analysiert.

Besonderes Augenmerk lag auf den Auswirkungen auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sowie auf sozialen und ökologischen Faktoren.

Ziel war es, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um positive Effekte zu stärken und negative Auswirkungen zu reduzieren.

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Diese Gesundheitsfolgenabschätzung untersuchte die Auswirkungen von betreuten Wohnformen für ältere Menschen.

Ziel war es, bestehende Modelle zu analysieren und Potenziale zur Weiterentwicklung dieser Wohnform im Sinne der Gesundheitsförderung aufzuzeigen.

Dabei wurden unterschiedliche Perspektiven aus Verwaltung, Praxis und betroffenen Gruppen berücksichtigt.

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Diese GFA begleitete die Planung und Umsetzung der Neugestaltung eines öffentlichen Platzes in Kapfenberg.

Im Fokus standen die Auswirkungen auf die Lebensqualität, soziale Interaktion und Gesundheit der lokalen Bevölkerung.

Die Ergebnisse wurden in die konkrete Umsetzung des Projekts integriert.

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Diese Gesundheitsfolgenabschätzung untersuchte mögliche Auswirkungen von Ganztagsschulen auf die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern.

Analysiert wurden sowohl positive als auch potenzielle negative Effekte, insbesondere im Hinblick auf soziale und gesundheitliche Aspekte.

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Diese umfassende Gesundheitsfolgenabschätzung analysierte die Auswirkungen eines verpflichtenden Kindergartenjahres.

Ziel war es, gesundheitliche Effekte frühkindlicher Betreuung zu bewerten und daraus Empfehlungen für die Gestaltung abzuleiten.

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Im Kontext der Pandemie wurden auch internationale Vergleichsanalysen durchgeführt, um die Auswirkungen von Maßnahmen wie Lockdowns besser einordnen zu können.

Diese Analysen zeigen sowohl positive als auch negative Effekte und verdeutlichen die Bedeutung differenzierter politischer Maßnahmen.

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Ausgewählte internationale Beispiele

Auch international wird die Gesundheitsfolgenabschätzung in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt. Beispiele umfassen unter anderem:

  • große Infrastruktur- und Sportprojekte
  • Strategien im Bereich Umwelt, Verkehr und Stadtentwicklung
  • Programme zur Förderung von Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit

Diese Beispiele zeigen die internationale Relevanz und Weiterentwicklung der GFA.

GFA im Kontext von COVID-19

Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie wurden Gesundheitsfolgenabschätzungen durchgeführt, um die Auswirkungen von Maßnahmen wie Lockdowns und Social Distancing zu analysieren.

Dabei konnten sowohl positive als auch negative gesundheitliche Effekte identifiziert werden, insbesondere im Bereich der psychosozialen Gesundheit sowie der sozialen Ungleichheit.

Die Ergebnisse zeigen die Bedeutung der GFA auch in Krisensituationen und komplexen politischen Entscheidungsprozessen.

Kontakt

Für weitere Informationen zur Gesundheitsfolgenabschätzung in Österreich steht die GFA-Support-Unit der Gesundheit Österreich GmbH zur Verfügung:

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