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Methoden und Prozesse der Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA)

Die Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA) folgt einem strukturierten Ablauf, mit dem gesundheitliche Auswirkungen geplanter Vorhaben systematisch analysiert und bewertet werden. Sie unterstützt evidenzbasierte Entscheidungen und ermöglicht es, gesundheitliche Aspekte frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Durchführung der Gesundheitsfolgenabschätzung

Für die Durchführung einer GFA stehen zahlreiche Richtlinien, Empfehlungen und spezifische Tools zur Verfügung, die sich an internationalen Standards orientieren.

Viele nationale und internationale Ansätze basieren auf dem „Gothenburg Consensus Paper“ der WHO (1999), das ein gemeinsames Verständnis und methodische Grundlagen für die Gesundheitsfolgenabschätzung geschaffen hat. Auch europäische Ansätze wie die im Auftrag der Europäischen Kommission entwickelte EPHIA-Methodik bauen darauf auf.

Ziel ist es, ein systematisches und nachvollziehbares Vorgehen sicherzustellen, das sowohl wissenschaftlichen Anforderungen als auch praktischen Entscheidungsprozessen gerecht wird.

Phasen der GFA

Die Gesundheitsfolgenabschätzung folgt in der Regel einem strukturierten Ablauf mit mehreren aufeinander aufbauenden Phasen:

  • Sichtung (Screening): Prüfung, ob eine GFA für ein Vorhaben sinnvoll und notwendig ist
  • Planung (Scoping): Festlegung von Fragestellungen, Methoden und Beteiligten
  • Bewertung (Appraisal): Analyse der möglichen gesundheitlichen Auswirkungen
  • Berichtslegung und Empfehlungen: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ableitung von Handlungsempfehlungen
  • Monitoring und Evaluation: Beobachtung der Umsetzung und Bewertung der Wirksamkeit

Diese Phasen bilden den methodischen Rahmen für eine systematische und transparente Durchführung der GFA.

Intensitäten des Prüfverfahrens

Je nach Fragestellung, Umfang und verfügbaren Ressourcen kann die Gesundheitsfolgenabschätzung in unterschiedlicher Tiefe durchgeführt werden:

Schreibtisch-GFA

  • kurze Dauer (ca. 2 bis 6 Wochen)
  • geringer Ressourceneinsatz
  • basiert auf vorhandener Evidenz
  • liefert eine erste Einschätzung der möglichen Auswirkungen

Kompakte GFA

  • mittlere Dauer (ca. 6 bis 12 Wochen)
  • moderater Ressourceneinsatz
  • Kombination aus vorhandenen Daten und zusätzlicher Analyse
  • differenziertere Bewertung der Auswirkungen

Umfassende GFA

  • längere Dauer (mehrere Monate)
  • hoher Ressourceneinsatz
  • umfassende Analyse auf Basis qualitativer und quantitativer Daten
  • geeignet für komplexe Vorhaben mit potenziell weitreichenden Auswirkungen

Die Wahl der Intensität erfolgt abhängig von der Relevanz des Vorhabens, der verfügbaren Evidenz sowie zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.

Leitfäden und Tools

Zur Unterstützung der praktischen Umsetzung wurden verschiedene Leitfäden und Instrumente entwickelt.

Die Gesundheit Österreich GmbH hat gemeinsam mit Partnerinstitutionen einen Leitfaden zur Durchführung von GFA erarbeitet. Dieser bietet:

  • eine strukturierte Darstellung der einzelnen Prozessschritte
  • einen Überblick über geeignete Methoden
  • Unterstützung bei Planung, Durchführung und Bewertung

Darüber hinaus stehen zahlreiche nationale und internationale Tools zur Verfügung, die einzelne Phasen der GFA methodisch unterstützen.

Qualitätssicherung

Zur Sicherung der Qualität von Gesundheitsfolgenabschätzungen werden standardisierte Bewertungsinstrumente eingesetzt.

Quality Assurance Review Framework: Das von der Health Impact Assessment Support Unit (Wales) entwickelte Framework dient der systematischen Bewertung von GFA-Verfahren und Berichten. Es unterstützt dabei:

  • die Qualität und Nachvollziehbarkeit von GFA zu beurteilen
  • die Robustheit der verwendeten Evidenz sicherzustellen
  • ein gemeinsames Verständnis von Qualitätsstandards zu entwickeln

Review Package for Health Impact Assessment: Dieses Instrument ermöglicht eine strukturierte Prüfung von GFA-Berichten anhand definierter Kriterien. Es unterstützt Reviewer dabei, Qualität, Vollständigkeit und methodische Konsistenz zu bewerten.

Das ursprünglich englischsprachige Tool wurde für den deutschsprachigen Raum adaptiert und wird auch bei österreichischen GFA angewendet.

Evidenz zur GFA

Die Durchführung von GFA basiert auf vorhandener wissenschaftlicher Evidenz zu gesundheitlichen Auswirkungen.

Ein wichtiger Aspekt ist die Quantifizierung von Gesundheitsauswirkungen, die beispielsweise im Rahmen internationaler Expertinnen- und Expertenworkshops diskutiert und weiterentwickelt wurde.

Darüber hinaus stehen zahlreiche Guidelines, Reviews und Evidence Summaries zur Verfügung. Diese beziehen sich unter anderem auf:

  • spezifische Sektoren wie Bildung, Beschäftigung oder Energie
  • konkrete Themen wie Umweltfaktoren oder soziale Ungleichheit
  • unterschiedliche Zielgruppen wie Kinder, Frauen oder vulnerable Gruppen

Diese Evidenz bildet eine zentrale Grundlage für fundierte Bewertungen im Rahmen der GFA.