Colloquium | Selbsthilfefreundliche Strukturen im Vergleich Schweiz und Österreich
Selbsthilfefreundliche Krankenhäuser sind Gesundheitseinrichtungen, die Selbsthilfegruppen und -organisationen systematisch, strukturell und langfristig in den Versorgungsalltag einbinden. Die professionelle medizinische und pflegerische Versorgung wird dabei gezielt durch das Erfahrungswissen von Betroffenen und Angehörigen ergänzt, um die Patientenorientierung, Versorgungsqualität und Nachhaltigkeit zu stärken.
Das Konzept des selbsthilfefreundlichen Krankenhauses hat sich im deutsch-sprachigen Raum seit mehr als 20 Jahren etabliert und kontinuierlich weiterentwickelt. Kennzeichnend sind feste Ansprechpersonen im Krankenhaus, die als verbindliche Schnittstelle zwischen der Einrichtung und der gemeinschaftlichen Selbsthilfe wirken. Patientinnen und Patienten sowie Angehörige werden zudem gezielt und verständlich über passende Selbsthilfeangebote informiert, um Unterstützung auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus zu ermöglichen.
Im GÖG‑Colloquium präsentiert Elena Konstantinidis von der Selbsthilfe Schweiz die Umsetzung des Konzepts der selbsthilfefreundlichen Krankenhäuser in der Schweiz. Darüber hinaus stellt sie zentrale Erkenntnisse aus dem von 2021 bis 2025 umgesetzten Projekt „Gesundheitskompetenz dank selbsthilfefreundlicher Spitäler“ vor. Ziel des Projekts war, die Zusammenarbeit zwischen gemeinschaftlicher Selbsthilfe und Gesundheitseinrichtungen systematisch zu verankern und Selbsthilfe als Ergänzung zur Hospitalisierung sowie als Bestandteil der Nachsorge für Patientinnen und Patienten, Angehörige und Fachpersonen zu stärken.
Werner Gohm vom Nationalen Netzwerk Selbsthilfe Österreich (NANES) beleuchtet ergänzend, wie Selbsthilfefreundlichkeit in Österreich umgesetzt wird, wo Unterschiede zur Schweiz bestehen und welche Schritte für eine nachhaltige österreichweite Weiterentwicklung notwendig sind. Das Nationale Netzwerk Selbsthilfe Österreich ist ein bundesweiter Zusammenschluss der Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen auf Landesebene, die in Österreich die Zertifizierungen zum selbsthilfefreundlichen Krankenhaus umsetzen.
Vortragende

Elena Konstantinidis ist bei Selbsthilfe Schweiz als stellvertretende Geschäftsführerin und Projektleiterin tätig und befasst sich mit der Weiterentwicklung selbsthilfefreundlicher Strukturen im Gesundheitswesen. In ihrer Arbeit bringt sie insbesondere die Perspektive der gemeinschaftlichen Selbsthilfe in die Zusammenarbeit mit Spitälern und Gesundheitinstitutionen ein.

Werner Gohm ist Obmann des Dachverbands Selbsthilfe Vorarlberg und engagiert sich seit vielen Jahren für die strukturelle Stärkung der gemeinschaftlichen Selbsthilfe im Gesundheits-wesen. Als aktives Mitglied des Nationalen Netzwerks Selbsthilfe Österreich bringt er die Perspektive der Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen auf Landesebene in bundesweite Vernetzungs‑ und Entwicklungsprozesse ein. Zudem ist er als Vertreter der Selbsthilfedachverbände in Österreich Mitglied des ÖKUSS‑Fachbeirats.
Berichte
Executive Summary: Gesundheitskompetenz dank selbsthilfefreundlichen Spitälern
Policy Brief: Prävention in der Gesundheitsversorgung: Empfehlungen zur Förderung der Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen
Schlussbericht Evaluation: Gesundheitskompetenz dank selbsthilfefreundlichen Spitälern
Begrüßung
Mag.a Gudrun Braunegger-Kallinger
Gesundheit Österreich GmbH
Österreichische Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS)
Moderation
Ileane Fürst, BA, MSc
Gesundheit Österreich GmbH
Österreichische Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS)