Arbeiten bei Hitze: Gesundheit schützen, Arbeitswelt anpassen
Der Klimawandel verändert die Arbeitswelt spürbar. Steigende Temperaturen, häufigere Hitzewellen und mehr Tropennächte führen dazu, dass immer mehr Menschen unter belastenden Bedingungen arbeiten – im Freien ebenso wie in Innenräumen. Bei der heutigen Pressekonferenz präsentierten Bundesministerin Korinna Schumann, Andrea E. Schmidt (Gesundheit Österreich GmbH), Georg Geczek (Wiener Rotes Kreuz) und Andreas Schaffhauser (GeoSphere Austria) aktuelle Daten und Maßnahmen zum Thema Hitzeschutz am Arbeitsplatz. Grundlage waren der neue GÖG-Bericht „Klimawandel und Gesundheit am Arbeitsplatz“ sowie aktuelle Ergebnisse des „Panel Gesundheitsförderung“.
Der Grundlagenbericht „Klimawandel und Gesundheit am Arbeitsplatz“ der Gesundheit Österreich GmbH zeigt: Der Klimawandel ist bereits heute eine erhebliche Belastung für Arbeitnehmer:innen in Österreich und erfordert systematische Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit. Hitze erhöht gesundheitliche Risiken und beeinträchtigt Konzentration, Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Neben Hitze zählen auch UV-Strahlung, Luftschadstoffe und Extremwetterereignisse zu den zunehmenden Gesundheitsgefahren.
Auch die Ergebnisse des „Panel Gesundheitsförderung“ der GÖG zeigen die Auswirkungen deutlich: Im Hitzesommer 2024 berichteten 85 % der Befragten von zumindest einer gesundheitlichen Belastung durch Hitze – besonders häufig von schlechterem Schlaf, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und psychischen Belastungen.
Hitze beeinflusst Gesundheit und Leistungsfähigkeit
Die Ergebnisse des „Panel Gesundheitsförderung“ der Gesundheit Österreich zeigen deutlich, wie stark Hitze den Alltag, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung beeinflusst. Besonders deutlich wurde dies im Hitzesommer 2024:
- 85 Prozent der Bevölkerung berichteten mindestens eine hitzebedingte gesundheitliche Belastung.
- Jede zweite Person berichtete von eingeschränkter Leistungsfähigkeit (51 Prozent).
- Mehr als jede dritte Person berichtete von eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit (35 Prozent).
- Die Auswirkungen auf Konzentration und Leistungsfähigkeit wurden 2024 – also in einem Jahr mit besonders vielen Hitzetagen und Tropennächten – deutlich häufiger berichtet als in den Vergleichsjahren.
Die Ergebnisse zeigen: Betroffen sind längst nicht mehr nur Berufe im Freien, sondern die gesamte Bevölkerung.
Auch „normale“ Sommer belasten die Bevölkerung: Selbst Sommer ohne Rekordtemperaturen führen zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen. Im Sommer 2025 berichteten fast zwei Drittel der Bevölkerung (62 Prozent) mindestens eine hitzebedingte gesundheitliche Belastung wie:
- Unwohlsein
- Unruhe
- Zurückgezogenheit
- schlechteren Schlaf
- körperliche Beschwerden
Mehr als jede dritte Person (35 Prozent) schlief im Sommer 2025 aufgrund der Hitze schlechter. Die Ergebnisse zeigen damit, dass gesundheitliche Belastungen durch Hitze längst nicht nur während extremer Rekordsommer auftreten.
Abb. 1: Selbst beobachtete gesundheitliche Veränderungen aufgrund von Hitze in den Jahren 2023, 2024 und 2025
Hitze erschwert Betreuung und Pflege
Hitze erhöht auch den Betreuungsaufwand im Alltag und erschwert die Vereinbarkeit von Betreuung und Erwerbsarbeit. Eltern müssen sich etwa verstärkt um Kleinkinder kümmern, die unter Hitze schlechter schlafen oder stärker belastet sind. Gleichzeitig benötigen ältere oder pflegebedürftige Angehörige während Hitzeperioden oft mehr Unterstützung. Das erhöht die Belastung für betreuende Angehörige zusätzlich und wirkt sich auch auf den Arbeitsalltag aus.
Bei jeder zweiten betreuten Person wurde beobachtet, dass sie während Hitzeperioden schlechter schläft.
Entwicklung der Hitzebelastung 2023-2025
Die Daten zeigen deutlich: Mit steigender Hitzebelastung nehmen gesundheitliche und psychosoziale Auswirkungen auf die Bevölkerung spürbar zu.
Klimawandel verändert die Arbeitswelt
Der Grundlagenbericht „Klimawandel und Gesundheit am Arbeitsplatz“ der Gesundheit Österreich zeigt:
- Die Zahl der Hitzetage in Österreich hat sich im Vergleich zur Klimaperiode 1961–1990 bereits verdreifacht.
- Hitzewellen treten häufiger auf und dauern länger.
- Besonders betroffen sind Beschäftigte, die im Freien oder körperlich schwer arbeiten.
- Neben Hitze spielen auch UV-Strahlung, Luftschadstoffe, Extremwetterereignisse und Allergene eine zunehmende Rolle.
Abb. 2: Einfluss des Kontexts Arbeitswelt auf das klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko an der Schnittstelle von Exposition, Vulnerabilität und Gefahr
Gesundheitliche Risiken durch Hitze am Arbeitsplatz hängen nicht allein von den Temperaturen ab, sondern vom Zusammenspiel aus Exposition, Vulnerabilität und konkreten Gefahren. Faktoren wie körperlich anstrengende Arbeit, lange Arbeitszeiten, fehlende Abkühlungsmöglichkeiten oder prekäre Arbeitsbedingungen können die gesundheitlichen Folgen von Hitze deutlich verstärken.
Zu den besonders belasteten Berufsgruppen zählen unter anderem:
- Bauarbeiter:innen
- Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft
- Zustell- und Transportdienste
- Einsatzorganisationen
- Gesundheits- und Pflegeberufe
- Industriearbeiter:innen
Der Bericht weist darauf hin, dass Hitze nicht nur die körperliche Gesundheit beeinträchtigt, sondern auch Konzentration und Leistungsfähigkeit reduziert und dadurch das Risiko für Arbeitsunfälle erhöht. Studien aus Deutschland und der Schweiz zeigen, dass die Anzahl von Arbeitsunfällen bei Temperaturen über 30°C um ca. 7% steigen.
Hitzebedingte Leistungseinbußen führen auch zu Produktivitätsverlusten haben ökonomische Auswirkungen. Analysen zeigen, dass 2024 in Österreich aufgrund von Hitze 12,8 Millionen potenzielle Arbeitsstunden verloren gegangen sind. Die Hälfte davon in der Baubranche. Und laut einer Studie des IHS (2025) könnte sich in einem Worst-Case-Klimaszenario das Bruttoinlandsprodukt in Österreich innerhalb von 3 Jahren um bis zu 0,7 % bzw. knapp 3 Milliarden Euro aufgrund von Hitzebelastung am Arbeitsplatz reduzieren.
Hitze erhöht Unfallrisiko und verursacht wirtschaftliche Schäden
Hitze beeinträchtigt nicht nur die Gesundheit, sondern reduziert auch Konzentration und Leistungsfähigkeit. Dadurch steigt das Risiko für Arbeitsunfälle. Studien aus Deutschland und der Schweiz zeigen, dass die Zahl der Arbeitsunfälle bei Temperaturen über 30 °C um rund sieben Prozent zunimmt.
Auch wirtschaftlich sind die Auswirkungen erheblich: 2024 gingen in Österreich aufgrund von Hitze rund 12,8 Millionen potenzielle Arbeitsstunden verloren – die Hälfte davon in der Baubranche. Laut einer IHS-Studie könnte sich das Bruttoinlandsprodukt in einem Worst-Case-Szenario innerhalb von drei Jahren um bis zu 0,7 Prozent beziehungsweise knapp drei Milliarden Euro reduzieren.
Neue Hitzeschutzverordnung ab 2026
Mit der neuen Hitzeschutzverordnung wird ergänzend zu den bisherigen Regelungen (u.a. ASchG) ein eigener rechtlicher Rahmen für den Schutz von Arbeitnehmer:innen bei Hitze geschaffen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:
- verpflichtende Hitzeschutzpläne
- Schutzmaßnahmen ab Hitzewarnstufe 2 (ab 30 °C)
- technische und organisatorische Schutzmaßnahmen
- Arbeitszeitverlagerungen und Beschattung
- Bereitstellung von Trinkwasser
- persönliche Schutzmaßnahmen wie leichte Schutzkleidung oder Kopfbedeckungen
- Kühlung von Krankabinen und Arbeitsmitteln
- stärkere Kontrollmöglichkeiten durch das Arbeitsinspektorat
Hitze im Rettungsdienste
Auch Einsatzorganisationen sind zunehmend von den Folgen der Hitze betroffen. Das Österreichische Rote Kreuz berichtet von steigenden Einsatzzahlen während Hitzeperioden. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen.
Gleichzeitig arbeiten Einsatzkräfte selbst unter erschwerten Bedingungen:
- Arbeiten in Schutzkleidung führt zu zusätzlicher Hitzebelastung
- Fahrzeuge heizen sich trotz Klimatisierung stark auf
- Flüssigkeitsverlust und Erschöpfung nehmen zu
- Zwischen Einsätzen gibt es oft kaum ausreichende Abkühlungsmöglichkeiten
- Körperliche Belastung erhöht das Risiko für Fehler im Einsatz
Das Rote Kreuz reagiert darauf mit eigenen Hitzeschutzmaßnahmen für Mitarbeiter:innen und Patient:innen.
Dazu zählen unter anderem:
- Wasserflaschen bei Ausfahrten
- Gezielte Ablösen und Nachalarmierungen
- Pausen an kühlen Orten
- Eigene Hitzeschutzkonzepte
- Cooling Center als niederschwellige Rückzugsorte bei Hitze
Zitate

Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
„Menschen, die bei Hitze arbeiten – ob am Bau, im Rettungsdienst, in der Pflege, in der Logistik oder im öffentlichen Verkehr – leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Gerade deshalb ist es unsere Verantwortung, sie bestmöglich zu schützen. Mit der neuen Hitzeschutzverordnung schaffen wir erstmals verbindliche Regeln für mehr Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.“

Andrea E. Schmidt, Abteilungsleiterin Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit, Gesundheit Österreich
„Hitze ist kein Ausnahmeproblem, sondern betrifft den Alltag, die Arbeitsfähigkeit vieler Menschen sowie die Vereinbarkeit von Betreuungsaufgaben und Erwerbsarbeit. Jede zweite Person berichtete im Hitzesommer 2024 von eingeschränkter Leistungsfähigkeit, jede dritte von eingeschränkter Konzentration.“

Georg Geczek, Landesrettungskommandant Wiener Rotes Kreuz
„Je heißer es wird, desto stärker steigen auch die Belastungen für den Rettungsdienst. Gleichzeitig arbeiten Einsatzkräfte selbst unter erschwerten Bedingungen – in Schutzkleidung, bei hohen Temperaturen und oft ohne ausreichende Abkühlungsmöglichkeiten. Hitze betrifft damit nicht nur Patient:innen, sondern zunehmend auch jene Menschen, die Hilfe leisten.“

Andreas Schaffhauser, wissenschaftlicher Generaldirektor GeoSphere Austria:
„Hitze ist in Österreich mittlerweile die tödlichste Naturgefahr. Die Hitzebelastung hat hierzulande massiv zugenommen, besonders in städtischen Gebieten und Ballungsräumen. 2025 lag die durchschnittliche Lufttemperatur bereits 3,1 °C über dem vorindustriellen Niveau. Von 1991 bis 2020 verzeichneten die Landeshauptstädte einen durchschnittlichen Anstieg von neun auf 23 Hitzetage. 2024 wurden in Wien-Innere Stadt mit 52 erstmals mehr als 50 Hitzetage registriert.“
Weiterlesen
Bericht: Klimawandel und Gesundheit in Österreich: Daten, Fakten, Trends
Grundlagenbericht: Klimawandel und Gesundheit am Arbeitsplatz
Factsheet: Hitzebelastung und Alltagsstrategien der Bevölkerung im Sommer 2024
Medienberichte (werden laufend ergänzt)
Hitze im Sommer: Anpassungen der Arbeitswelt gefordert - news.ORF.at
Ö3 Nachrichten 13 Uhr, 12.5.2026
Ö1 Nachrichten 14 Uhr, 12.5.2026
Wien: Menschen auch in normalem Sommer von Hitze belastet - Kleine Zeitung
Hitze belastet Menschen auch in normalen Sommern - VIENNA.AT
Menschen auch in normalem Sommer von Hitze belastet - Puls4
Menschen auch in normalem Sommer von Hitze belastet - SN.at
Menschen auch in normalem Sommer von Hitze belastet - NÖN.at
Weitere Beiträge in folgenden Nachrichtensendungen:
- Radio NÖ 14 Uhr
- Radio Tirol Mittagsjournal 12 Uhr
- Mahlzeit Burgenland 12:05 Uhr
- Radio Vorarlberg Landesrundschau, 12 Uhr
- Radio Salzburg, 12 Uhr






