365.000 Kinder erreicht: Warum die Tägliche Bewegungseinheit so gut ankommt.
Im Kindergarten- und Schuljahr 2024/25 ist die Tägliche Bewegungseinheit erstmals österreichweit umgesetzt worden. Laut Evaluation nahmen 3.753 Bildungseinrichtungen teil – erreicht wurden rund 365.000 Kinder und Jugendliche. Das sind 38 % der Kinder und Jugendlichen im vorgesehenen Alter, und das Programm ist in 115 von 116 Bezirken präsent. Die Gesundheit Österreich hat die bundesweite Umsetzung gemeinsam mit der SPIN Sport Innovation GmbH evaluiert.
Ralf Rangnick, ÖFB-Teamchef und Botschafter der Täglichen Bewegungseinheit, bringt den Kern so auf den Punkt: „Regelmäßige Bewegung ist kein Beiwerk, sondern eine Grundvoraussetzung und von zentraler Bedeutung für die körperliche und mentale Gesundheit. Umso erfreulicher ist es, dass die Tägliche Bewegungseinheit bereits im Kindergarten beginnt. So werden schon die Jüngsten für Bewegung begeistert.“
Auch Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt verweist auf die Verankerung in den Einrichtungen: „Die Tägliche Bewegungseinheit ist in den Schulen und Kindergärten angekommen. Bewegte Kinder sind gesunde Kinder, und gesunde Kinder sind glückliche Kinder. Deswegen können wir mit der Täglichen Bewegungseinheit gar nicht früh genug beginnen. Und die Studie zeigt eindeutig: ob Kindergarten oder Volksschule, ob Lehrer:innen oder Eltern: Alle schätzen die Tägliche Bewegungseinheit“, betont Schmidt.
Wo das Programm schon stark ist – und wo es ausbaufähig bleibt
Die Teilnahme ist je Bildungsstufe sehr unterschiedlich. In drei von vier Volksschulen ist die Tägliche Bewegungseinheit bereits angekommen, in fast jedem dritten Kindergarten ebenfalls. In rund jeder fünften Sonderschule wird sie genutzt.
Deutlich niedriger ist die Reichweite in der Sekundarstufe I: Dort werden rund sechs Prozent der Schulen erreicht. Als Grund wurde genannt, dass es in dieser Stufe organisatorisch schwieriger sei, wöchentliche Bewegungseinheiten unterzubringen.
Drei Säulen – mehr als „eine Turnstunde zusätzlich“

Die Tägliche Bewegungseinheit ist für Kinder von zwei bis 14 Jahren konzipiert und beruht auf drei Säulen:
- Mehr Bewegung im Bildungsalltag der Einrichtung
- Wöchentliche zusätzliche Einheiten durch Bewegungscoaches
- Flexible Angebote, die Einrichtungen je nach Bedarf buchen (z. B. geblockte Schwerpunkte wie Schwimmen)
Nicht überall nimmt jede Gruppe oder Klasse am vollen Umfang teil – vor allem bei den Bewegungscoach-Stunden gibt es noch Potenzial.
Lukas Teufl ist Hauptverantwortlich für die aktuelle Evaluierung an der Gesundheit Österreich. Der Health Expert in der Abteilung Gesundheitsökonomie und -systemanalyse sagt dazu ausdrücklich: „Nicht alle Gruppen oder Klassen nehmen am vollen Programm teil. Besonders in Hinblick auf die Bewegungscoach-Stunden, die wöchentlich stattfinden, gibt es noch Potential.“
Was 2024/25 umgesetzt wurde
Für das Schuljahr 2024/25 werden rund 298.000 Bewegungseinheiten ausgewiesen. Etwa die Hälfte davon waren zusätzliche Bewegungscoach-Stunden, die andere Hälfte entfiel auf flexible, bedarfsorientierte Angebote. Teufl fasst diesen Teil der Bilanz so zusammen: „Die Tägliche Bewegungseinheit bringt tatsächlich mehr Bewegung in den Alltag der Kinder.“
Er präzisiert auch die Aufteilung: „Im vergangenen Jahr wurden rund 298.000 Bewegungseinheiten durchgeführt. Fast exakt die Hälfte als zusätzliche Bewegungscoach-Stunden.“ Und zur zweiten Hälfte: „Die andere Hälfte im Rahmen flexibler Angebote, die bedarfsorientiert von den Bildungseinrichtungen gebucht werden.“
Insgesamt wird berichtet, dass durch das Programm rund 2,5 Millionen zusätzliche Bewegungseinheiten entstanden.
Was Einrichtungen beobachten: Bewegung, Konzentration, Ausgeglichenheit
Die Evaluation zeigt laut Rückmeldungen aus den teilnehmenden Einrichtungen eine breite Wahrnehmung von Fortschritten: neun von zehn Bildungseinrichtungen gaben an, Verbesserungen der Bewegungsfähigkeit festgestellt zu haben. Darüber hinaus wurde berichtet, dass Kinder besser konzentriert, teamfähiger und ausgeglichener seien.
Teufl formuliert den Kern dieser Rückmeldungen: „In etwa neun von zehn Bildungseinrichtungen stellten Fortschritte hinsichtlich der Bewegungsfähigkeit und Koordination der Kinder fest.“ Und er ergänzt zur Wirkung im Unterricht: „Außerdem hatten die Einheiten auch Auswirkungen auf den nachfolgenden Unterricht: Die Kinder konnten sich besser konzentrieren und waren emotional ausgeglichener.“
Auch zur Akzeptanz sind die Rückmeldungen klar - Teufl sagt dazu wörtlich: „99% der Bildungseinrichtungen berichten über die große Beliebtheit der Einheiten bei den Kindern und 94% berichten von einer hohen Bewegungsvielfalt in den Einheiten.“
Zusätzlich wurde beschrieben, dass sich in vielen Einrichtungen die Bewegungskultur verbessert habe: Bewegung werde stärker im Profil bzw. Leitbild verankert und im Kollegium als zentraler Bildungsauftrag verstanden. Teufl betont das in direkter Form: „Neun von zehn Bildungseinrichtungen berichteten, dass sich ihre Bewegungskultur seit der Teilnahme verbesserte.“ Und er unterstreicht: „Besonders hervorheben möchte ich, dass sich die Bewegungsfreude der Kinder deutlich verbesserte.“
Schwimmen: vom Nichtschwimmen Richtung Sicherheit
Ein Teil der flexiblen Angebote betrifft Schwimmen – und hier liegen konkrete Entwicklungsangaben vor. Teufl sagt dazu: „Übrigens konnten beim Schwimmen drei von fünf Nicht-schwimmer:innen zu unsicheren Schwimmer:innen und fünf von sechs unsicheren Schwimmer:innen zu sicheren Schwimmer:innen werden.“
In den Unterlagen werden dafür 11.500 Schwimmeinheiten an 368 Bildungseinrichtungen genannt.
Kinder mit Bewegungsdefiziten profitieren besonders
In der Evaluation wird beschrieben, dass Bewegungscoaches zu Beginn des Jahres bei etwa jedem dritten bis vierten Kind Bewegungsdefizite sahen. Über den Verlauf des Kindergarten- bzw. Schuljahres gingen diese Anteile deutlich zurück: Beim unterdurchschnittlichen Bewegungsgeschick von 29 % auf 18 %, bei Defiziten in der körperlichen Stärke von 59 % auf 20 %.
Teufl spricht in seiner Präsentation genau diese Entwicklung an: „In etwa jedes dritte bis vierte Kind wies aus Sicht der Bewegungscoaches zu Jahresbeginn Bewegungsdefizite auf.“ Und weiter: „Doch über den Verlauf des Kindergarten- bzw. Schuljahres minimierten sich diese Defizite stark.“ Er nennt die Zahlen wörtlich: „Hatten zu Beginn 29 % der Kinder ein unterdurchschnittliches Bewegungsgeschick, waren es gegen Ende nur noch 18 %. Und hinsichtlich der körperlichen Stärke waren es zu Beginn sogar 59 % mit Defiziten, gegen Ende nur noch 20 %.“
Die Bewegungscoaches arbeiteten dabei mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, sodass sowohl Kinder mit Bewegungstalent als auch Kinder mit Defiziten von denselben Einheiten profitieren konnten. Teufl formuliert das so: „Die Bewegungscoaches begeistern alle Kinder.“ Und er erklärt das Prinzip dahinter: „Sie gestalten die Übungen und Spiele mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, sodass auch Kinder mit Bewegungstalenten aber auch jene mit Bewegungsdefiziten profitieren.“
Auch Sportvereine werden sichtbarer
Ein weiteres Ziel ist, Kindern den Weg in Sportvereine zu erleichtern. In der Evaluation wird berichtet, dass die Bekanntheit der teilnehmenden Vereine stieg und dass teilnehmende Sportvereine durchschnittlich fünf Kinder als neue Mitglieder gewinnen konnten.
Budget und Ausbau
Für das laufende Schuljahr wurde ein Budget von rund 19,5 Mio. Euro genannt. Für einen Vollausbau werden 100 bis 120 Mio. Euro geschätzt. Ab Februar sollen neben ASKÖ, ASVÖ und Sportunion erstmals auch 13 Sport-Fachverbände (u. a. Radsport, Leichtathletik, Turnen) eingebunden werden. „Mein Ziel ist, dass die Tägliche Bewegungseinheit wirklich alle Kinder und Jugendliche in Österreich erreicht“, so Staatssekretärin Schmidt.
Kurzfazit
Das erste Jahr der österreichweiten Umsetzung zeigt: Die Tägliche Bewegungseinheit erreicht breit Kindergärten und Volksschulen, und die teilnehmenden Einrichtungen berichten positive Effekte im Bewegungsbereich und im Bildungsalltag. Gleichzeitig bleibt die Sekundarstufe I mit derzeit rund sechs Prozent Reichweite die zentrale Ausbaustelle.
Teufl zieht in seiner Präsentation ein klares Resümee: „Unser Fazit lautet klar: Fortsetzung und gezielter Ausbau der Täglichen Bewegungseinheit.“
Weitere Informationen:
- Evaluation der „Täglichen Bewegungseinheit“
- Abteilung Gesundheitsökonomie und -systemanalyse
- www.bewegungseinheit.gv.at
Mediennachschau:
Kurz-Zusammenfassung
Die „Tägliche Bewegungseinheit“ ist ein gemeinsames Pilotprojekt des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) in Zusammenarbeit mit den drei Sportdachverbänden ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION und den neun Bundesländern.
Reichweite 2024/25
- 3.753 Bildungseinrichtungen
- ~365.000 Kinder/Jugendliche (38 %)
- 115/116 Bezirke
Teilnahme nach Stufe
- Volksschule: 75 % (3 von 4)
- Kindergarten: knapp 33 % (fast 1 von 3)
- Sonderschule: rund 20 % (etwa 1 von 5)
- Sekundarstufe I: 6 %
Umsetzung
- ~298.000 Bewegungseinheiten
- gesamt berichtet: ~2,5 Mio zusätzliche Bewegungseinheiten
Beobachtete Effekte (Rückmeldungen)
- 9/10 Einrichtungen: Fortschritte bei Bewegungsfähigkeit/Koordination
- 99 %: hohe Beliebtheit, 94 %: hohe Bewegungsvielfalt
- berichtet: bessere Konzentration & emotional ausgeglichener
Schwimmen
- 11.500 Schwimmeinheiten an 368 Einrichtungen
- 3/5 Nichtschwimmer:innen → unsicher; 5/6 unsicher → sicher
Budget/Ausbau
- Budget: ~19,5 Mio €
- Vollausbau: 100–120 Mio € (Schätzung)
- ab Februar: 13 Sport-Fachverbände zusätzlich eingebunden






