Direkt zum Inhalt

365.000 Kinder erreicht: Warum die Tägliche Bewegungseinheit so gut ankommt.

Viele Schulen und Kindergärten berichten: Kinder werden beweglicher, konzentrierter und emotional ausgeglichener. Die Evaluation zeigt außerdem, wie stark Kinder mit Bewegungsdefiziten profitieren. Die Bewegungskultur legt zu – die Bewegungsfreude steigt.

Im Kindergarten- und Schuljahr 2024/25 ist die Tägliche Bewegungseinheit erstmals österreichweit umgesetzt worden. Erreicht wurden rund 365.000 Kinder und Jugendliche zudem 3.753 Bildungseinrichtungen. Die Gesundheit Österreich hat die bundesweite Umsetzung gemeinsam mit der SPIN Sport Innovation GmbH evaluiert.
 

„Regelmäßige Bewegung ist kein Beiwerk."

Bild
Ralf Rangnick und Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt bei einer Station der Tägliche Bewegungseinheit  in der Turnhalle.
Ralf Rangnick und Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt bei einer Station der Täglichen Bewegungseinheit. © BMWKMS/Schlögl


Prominenter Unterstützer ist Ralf Rangnick, ÖFB-Teamchef und Botschafter der Täglichen Bewegungseinheit. Er betont, dass Bewegungsarmut kein „Naturzustand“ ist: „Die Kinder kommen nicht auf die Welt mit dem Stempel: Bewegungsarm, handsüchtig und adipös. Die werden dazu gemacht - durch unsere Gesellschaft, die Umgebung, in der sie aufwachsen.“ Deshalb brauche es „Hilfe und Unterstützung aus Politik und Gesellschaft“.

Rangnick bringt den Kern so auf den Punkt: „Regelmäßige Bewegung ist kein Beiwerk, sondern eine Grundvoraussetzung. Sie hat zentrale Bedeutung für die körperliche und mentale Gesundheit. Erfreulich ist es, dass bereits im Kindergarten begonnen wird und wir die Jüngsten für Bewegung begeistert können.“

„Alle schätzen die Tägliche Bewegungseinheit.“

Bild
Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt gibt in einer Turnhalle ein Interview; im Hintergrund bewegen sich Kinder.
Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt im Interview beim Termin zur Täglichen Bewegungseinheit. © BMWKMS/Schlögl


Auch Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt verweist darauf, dass das Programm im Alltag der Einrichtungen angekommen ist: „Bewegte Kinder sind gesunde Kinder, und gesunde Kinder sind glückliche Kinder. Deswegen können wir gar nicht früh genug beginnen. Und die Studie zeigt eindeutig: ob Kindergarten oder Volksschule, ob Lehrer:innen oder Eltern: Alle schätzen die Tägliche Bewegungseinheit“, betont Schmidt.

Die wichtigsten Zahlen und Befunde finden Sie weiter unten kompakt.

Mehr als eine zusätzliche Turnstunde: Bewegung wird Alltag

Bild
Lukas Teufl, Gesundheit Österreich
Lukas Teufl, Gesundheit Österreich,  © R. Ettl

Die Tägliche Bewegungseinheit ist für Kinder von zwei bis 14 Jahren konzipiert und beruht auf drei Säulen:

  • Mehr Bewegung im Bildungsalltag der Einrichtung
  • Wöchentliche zusätzliche Einheiten durch Bewegungscoaches
  • Flexible Angebote, die Einrichtungen je nach Bedarf buchen (z. B. geblockte Schwerpunkte wie Schwimmen)


Lukas Teufl ist Hauptverantwortlich für die aktuelle Evaluierung an der Gesundheit Österreich. Der Health Expert  in der Abteilung Evidenz und Qualitätsstandards bilanziert: „Das bringt tatsächlich mehr Bewegung in den Alltag der Kinder.“

Was 2024/25 umgesetzt wurde

Bild
Gruppenfoto in einer Turnhalle: Kinder und Erwachsene jubeln vor einem Roll-up zur „Täglichen Bewegungseinheit“.
Täglichen Bewegungseinheit: Kinder, Ralf Rangnick, Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Lukas Teufl (Gesundheit Österreich). © BMWKMS/Schlögl


Für das Schuljahr 2024/25 werden rund 298.000 Bewegungseinheiten ausgewiesen. Teufl präzisiert die Aufteilung: „Im vergangenen Jahr wurden rund 298.000 Bewegungseinheiten durchgeführt. Fast exakt die Hälfte als zusätzliche Bewegungscoach-Stunden.“ Und zur zweiten Hälfte: „Die andere Hälfte im Rahmen flexibler Angebote, die bedarfsorientiert von den Bildungseinrichtungen gebucht werden.“

Insgesamt wird berichtet, dass durch das Programm rund 2,5 Millionen zusätzliche Bewegungseinheiten entstanden.

Was Einrichtungen beobachten: Bewegung, Konzentration, Ausgeglichenheit

Bild
Pressegespräch zur Täglichen Bewegungseinheit: Ralf Rangnick, Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Lukas Teufl stehen an Stehtischen vor Österreich- und EU-Flagge.
Pressegespräch zur Täglichen Bewegungseinheit in Puch bei Salzburg: Ralf Rangnick, Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Lukas Teufl (Gesundheit Österreich). © BMWKMS/Schlögl


Die Evaluation zeigt laut Rückmeldungen aus den teilnehmenden Einrichtungen eine breite Wahrnehmung von Fortschritten. Teufl formuliert den Kern dieser Rückmeldungen: „In etwa neun von zehn Bildungseinrichtungen stellten Fortschritte hinsichtlich der Bewegungsfähigkeit und Koordination der Kinder fest.“ Und er ergänzt zur Wirkung im Unterricht: „Außerdem hatten die Einheiten auch Auswirkungen auf den nachfolgenden Unterricht: Die Kinder konnten sich besser konzentrieren, sind teamfähiger und waren emotional ausgeglichener.“

Auch zur Akzeptanz sind die Rückmeldungen klar - Teufl sagt dazu: „99% der Bildungseinrichtungen berichten über die große Beliebtheit bei den Kindern und 94% von einer hohen Bewegungsvielfalt in den Einheiten.“

Schwimmen: vom Nichtschwimmen Richtung Sicherheit

Ein Teil der flexiblen Angebote betrifft Schwimmen – und hier liegen konkrete Entwicklungsangaben vor. Teufl sagt dazu: „Beim Schwimmen konnten drei von fünf Nicht-schwimmer:innen zu unsicheren Schwimmer:innen und fünf von sechs unsicheren Schwimmer:innen zu sicheren Schwimmer:innen werden.“ In den Unterlagen werden dafür 11.500 Schwimmeinheiten an 368 Bildungseinrichtungen genannt.

Mehr Bewegungskultur – mehr Bewegungsfreude

Zusätzlich wurde beschrieben, dass sich in vielen Einrichtungen die Bewegungskultur verbessert habe. Bewegung werde stärker im Profil bzw. Leitbild verankert und im Kollegium als zentraler Bildungsauftrag verstanden. Teufl betont das in direkter Form: „Neun von zehn Bildungseinrichtungen berichteten, dass sich ihre Bewegungskultur seit der Teilnahme verbesserte.“ Und er unterstreicht: „Besonders hervorheben möchte ich, dass sich die Bewegungsfreude der Kinder deutlich verbesserte.“
 

Bild
Infografik: Warum die Tägliche Bewegungseinheit so gut ankommt. Kompakte Informationen befinden sich am Ende des Artikels.
365.000 Kinder erreicht: Warum die Tägliche Bewegungseinheit so gut ankommt.©  Infografik - BMWKMS

 

Kinder mit Bewegungsdefiziten profitieren besonders

Bild
Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Ralf Rangnick sprechen in einer Turnhalle mit einer Gruppe von Kindern.
Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Ralf Rangnick im Austausch mit Kindern bei einer TBE-Einheit. © BMWKMS/Schlögl


In der Evaluation wird beschrieben, dass Bewegungscoaches zu Beginn des Jahres bei etwa jedem dritten bis vierten Kind Bewegungsdefizite sahen. Über den Verlauf des Kindergarten- bzw. Schuljahres gingen diese Anteile deutlich zurück. Teufl spricht in seiner Präsentation genau diese Entwicklung an: „Hatten zu Beginn 29 % der Kinder ein unterdurchschnittliches Bewegungsgeschick, waren es gegen Ende nur noch 18 %. Und hinsichtlich der körperlichen Stärke waren es zu Beginn sogar 59 % mit Defiziten, gegen Ende nur noch 20 %.“

Teufl formuliert das so: „Die Bewegungscoaches begeistern alle Kinder.“ Und er erklärt das Prinzip dahinter: „Sie gestalten die Übungen und Spiele mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, sodass auch Kinder mit Bewegungstalenten aber auch jene mit Bewegungsdefiziten profitieren.“

Wo das Programm schon stark ist und wo ausbaufähig

Die Teilnahme ist je Bildungsstufe sehr unterschiedlich. In drei von vier Volksschulen ist die Bewegung bereits angekommen, in fast jedem dritten Kindergarten ebenfalls. In rund jeder fünften Sonderschule wird sie genutzt.

Deutlich niedriger ist die Reichweite in der Sekundarstufe I: Dort werden rund sechs Prozent der Schulen erreicht. Als Grund wurde genannt, dass es in dieser Stufe organisatorisch schwieriger sei, wöchentliche Bewegungseinheiten unterzubringen. Weiters: „Nicht alle Gruppen oder Klassen nehmen am vollen Programm teil. Besonders im Hinblick auf die Bewegungscoach-Stunden, die wöchentlich stattfinden, gibt es noch Potenzial.“

Auch Sportvereine werden sichtbarer

Ein weiteres Ziel ist, Kindern den Weg in Sportvereine zu erleichtern. In der Evaluation wird berichtet, dass die Bekanntheit der teilnehmenden Vereine stieg und dass teilnehmende Sportvereine durchschnittlich fünf Kinder als neue Mitglieder gewinnen konnten.

Die „Tägliche Bewegungseinheit“ ist ein gemeinsames Pilotprojekt des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) in Zusammenarbeit mit den drei Sportdachverbänden ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION und den neun Bundesländern. Die Evaluierung der bundesweiten Umsetzung erfolgte durch Gesundheit Österreich gemeinsam mit der SPIN Sport Innovation GmbH.

Budget und Ausbau

Bild
Großes Gruppenfoto in einer Turnhalle: Kinder und Erwachsene sitzen und stehen vor einem Roll-up zur „Täglichen Bewegungseinheit“.
Gruppenfoto beim Termin zur Täglichen Bewegungseinheit in Puch bei Salzburg: Kinder, Bewegungscoaches und Gäste. © BMWKMS/Schlögl


Für das laufende Schuljahr wurde ein Budget von rund 19,5 Mio. Euro genannt. Für einen Vollausbau werden 100 bis 120 Mio. Euro geschätzt. Ab Februar sollen neben ASKÖ, ASVÖ und Sportunion erstmals auch 13 Sport-Fachverbände (u. a. Radsport, Leichtathletik, Turnen) eingebunden werden. „Mein Ziel ist, dass die Tägliche Bewegungseinheit wirklich alle Kinder und Jugendliche in Österreich erreicht“, so Staatssekretärin Schmidt.

Kurzfazit

Bild
Ralf Rangnick, Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Lukas Teufl stehen bei einem Pressetermin zur „Täglichen Bewegungseinheit“ bei der Präsentation über die Tägliche Bewegungseinheit.
Täglichen Bewegungseinheit: Ralf Rangnick, Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Lukas Teufl (Gesundheit Österreich). © BMWKMS/Schlögl


Das erste Jahr der österreichweiten Umsetzung zeigt: Die Tägliche Bewegungseinheit erreicht breit Kindergärten und Volksschulen, und die teilnehmenden Einrichtungen berichten positive Effekte im Bewegungsbereich und im Bildungsalltag. Gleichzeitig bleibt die Sekundarstufe I mit derzeit rund sechs Prozent Reichweite die zentrale Ausbaustelle.

Teufl zieht in seiner Präsentation ein klares Resümee: „Unser Fazit lautet klar: Fortsetzung und gezielter Ausbau der Täglichen Bewegungseinheit.“

Weitere Informationen:

Mediennachschau:

Kurz-Zusammenfassung: Zahlen und Befunde (2024/25)
 

  • Reichweite: 3.753 Einrichtungen | ~365.000 Kinder/Jugendliche (38 %)
  • Verbreitung: Volksschule 75 % | Kindergarten ~33 % | Sonderschule ~20 % | Sek I 6 %
  • Umsetzung: ~298.000 Einheiten (~50 % Coaches / ~50 % flexible Angebote) | berichtet: ~2,5 Mio zusätzliche Bewegungseinheiten
  • Feedback: 99 % Beliebtheit | 94 % Vielfalt | ~9/10 berichten Fortschritte bei Bewegungsfähigkeit/Koordination
  • Schwimmen (flexibles Angebot): 11.500 Schwimmeinheiten | 368 Einrichtungen | 3/5 Nichtschwimmer:innen → unsicher | 5/6 unsicher → sicher
  • Budget & Ausbau: ~19,5 Mio € (laufendes Schuljahr) | Vollausbau: ~100–120 Mio € | ab Feb.: 13 Sport-Fachverbände zusätzlich
     
Redaktion: Georg Gatnar
Ralf Rangnick, Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt und Lukas Teufl stehen bei einem Pressetermin zur „Täglichen Bewegungseinheit“ bei der Präsentation über die Tägliche Bewegungseinheit.