Festcolloquium | Für ein konstruktives Miteinander der Gesundheitsberufe: Was Aus- und Weiterbildung dazu beitragen können

Beginn der Veranstaltung
05.12.2017 17:00 Uhr

Nachlese Festcolloquium
Anlässlich der feierlichen Überreichung des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich an Ingrid Rottenhofer

Das österreichische Gesundheitswesen ist gekennzeichnet durch wachsende Komplexität und Fragmentierung der Versorgungsstrukturen. Paralleles Wirken der Berufsgruppen, ineffektiver Ressourceneinsatz, Unkenntnis der Kompetenzen anderer am Versorgungsprozess beteiligter Gesundheitsberufe sowie fehlende Abstimmung im Behandlungsprozess sind nur einige der Auswir­kungen. Die Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe über die Versorgungssektoren hinweg ist für eine patientenzentrierte Versorgung daher dringend erforderlich. Einen wesentlichen Beitrag zur Förderung interprofessioneller Kooperation leistet interprofessionelle Aus- und Weiterbildung. Diese voranzubringen, war eines der Anliegen, die Ingrid Rottenhofer als Leiterin der Abteilung Gesundheitsberufe in ihrer 30jährigen Tätigkeit an der GÖG konsequent verfolgt hat.

Daher fand im Anschluss an den Festakt der feierlichen Überreichung des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich an Ingrid Rottenhofer eine Expertendiskussion zum Thema statt. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Wie kann interprofessionelle Aus- und Weiterbildung vorangetrieben werden, und welche Stolpersteine ergeben sich auf diesem Weg?

Univ. Prof.in Dr.in Anita Holzinger MPH, sie ist u.A. Leiterin der Research Unit für Curriculum-Entwicklung an der Medizinischen Universität Wien, berichtete über die Bemühungen im Medizinstudium frühzeitig Impulse zur interdisziplinären Zusammenarbeit zu setzen. Um einen interprofessionellen nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch in der medizinischen Aus-, Weiter- und Fortbildung in Gesundheitsberufen in Österreich ist auch die Gesellschaft Medizinische Ausbildungen (GMA) bemüht, Prof. Holzinger ist Schriftführerin der Österreichischen Sektion der GMA.

Mit der fortschreitenden Akademisierung der Gesundheitsberufe in Österreich ergeben sich viele Chancen und Perspektiven für interprofessionelle Ausbildungsmodule, solche sind im Bereich der Medizinistudiengänge hierzulande noch Neuland. Einfacher gestaltet sich dies freilich für Studiengänge die unter einem Dach organisiert sind, wie MMag.a Schneebauer Bettina, Geschäftsführerin und stv. Kollegiumsleiterin der FH Gesundheitsberufe OÖ GmbH, Linz in ihren Statements verdeutlichte. Frau Anna Sprenger, MHPE, von der Fachhochschule Tirol erklärte sich kurzfristig bereit für die erkrankte Prof. Elke Gruber ans Podium zu treten. Sie präsentierte mit dem „Planspiel Gesundheitszentrum“, in dem es um die Simulation interprofessioneller Zusammenarbeit für eine optimale Gesundheitsversorgung geht, im Bereich Gesundheit einen konkreten didaktischen Ansatz für interprofessionelles Lernen im Bereich von Bachelorstudiengängen.

Über Statements aus dem Publikum wurden weitere Beispiele für gelungene Ansätze zur interprofessionellen Aus- und Weiterbildung eingebracht, etwa aus dem Bereich Palliative Care oder der Medizinischen Fakultät in Wien. Es wurde aber auch deutlich, dass hierzulande aufgrund der bestehenden Hierarchien und der verzögerten Akademisierung vieler Gesundheitsberufe noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten ist. Wir hoffen einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, und werden an der GÖG weiter an dem Thema arbeiten.

Veranstaltungsort
Gesundheit Österreich, Eingang Biberstraße 20, 1010 Wien
Foto  Ingrid Rottenhofer